Bürger formieren sich zum Protest gegen Lärm aus dem Vohenstein Auf die Stadt nicht gut zu sprechen Bewohner des Wartbergs sind sauer und erwarten, dass endlich gehandelt wird HERBRECHTINGEN. In den Nächten zum Samstag und Sonntag letzter Woche platzte Hans Maier, einem Bewohner des östlichen Wartbergs, vollends der Kragen: „Da hat German Pellets ganz Herbrechtingen wackeln lassen“, klagt der gegen unerträgliche Lärmbelästigungen kämpfende Bürger. Bisher musste sich der Mann mehr oder weniger als Einzelkämpfer fühlen, denn außer von ihm gab es zumindest bislang in der Öffentlichkeit keine kritischen Stimmen zum nächtlichen Krach aus dem Industriegebiet Vohenstein. Jetzt steht Hans Maier nicht mehr allein auf weiter Flur. Die jüngste „Attacke“ auf die Nachtruhe von Menschen auf dem Wartberg mobilisierte am Montagabend knapp 60 Frauen und Männer, die sich auf Initiative von Hans Maier vor dem Werk von German Pellets zur Information und zur Erörterung der Frage trafen, wie sie gegen die Lärmbelästigungen aus dem nahen Industriegebiet im Osten der Stadt vorgehen können. Dort wird als Lärmquelle nicht nur die im Vorjahr in Betrieb gegangene Produktionsstätte von German Pellets ausgemacht, sondern auch das lange bestehende Sägewerk von Sturm. Hans Maier berichtete bei dem Lokaltermin eingehend über seine bisherigen Bemühungen und erinnerte insbesondere an eine Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehr im Mai diesen Jahres, in der er die Stadt vehement aufgefordert hatte, entsprechende Auflagen zu erlassen. Auf den Bürgermeister Dr. Bernd Sipple war Maier im Rückblick nicht gut zu sprechen. Von ihm habe er nur dumme Antworten erhalten, klagte der Sprecher und zitierte den Rathauschef: „Das kann alles nicht so schnell gehen . . ./ich kann nicht in jedes Schlafzimmer kommen . . .“ Lediglich zwei Mitglieder des Gemeinderats hätten Verständnis gezeigt und ausdrücklich dafür plädiert, einen Zeitrahmen für die Lösung der Probleme festzulegen. Geschehen sei inzwischen offenbar aber nichts, konstatierte der Redner, der die Haltung der Stadt als zu industriefreundlich wertete, gleichzeitig aber versicherte, nichts gegen die Firmen zu haben. Wirtschaft und Arbeitsplätze seien natürlich ungemein wichtig, doch stünden die Unternehmen auch in der Pflicht, gesetzliche Auflagen zu erfüllen. Gegen solche werde seit über einem Jahr verstoßen, bemängelte der streitbare Bürger und verwies auf drei Lärmmessungen durch die im Landratsamt angesiedelte Gewerbeaufsicht, wobei zumindest eine Messung in seinem Haus den eindeutigen Nachweis erbracht habe, dass die bei Nacht zulässige Emissionsgrenze von 40 Dezibel erheblich überschritten wurde. Die gleichen Probleme wie in Herbrechtingen verursache German Pellets im Übrigen auch an seinen Standorten in Wismar und im badischen Ettenheim, weiß Hans Maier, dessen Ärger nicht wenige der zu dem Treffen gekommenen Personen verbal teilten. Der Lärm sei unerträglich, Sägemehl wehe es auf Terrassen und in Wohnräume, hieß es. Anerkannt wurde andererseits auch, dass sowohl der Hersteller der kleinen Heizbriketts aus Holzabfällen als auch die benachbarte Firma Sturm durch den Bau von Hallen reagierten, um Emissionen einzudämmen. Aus der Sicht der Wartberg-Bewohner sind diese Maßnahmen aber keineswegs ausreichend. Was frühere Ankündigungen und Versprechen betrifft, fuhr Dieter Heithecker vom nicht weit entfernten Hofgut in Bernau schweres Geschütz gegen die Firma Sturm auf und sprach von Betrug und Augenwischerei. Es könne nicht sein, dass für Bürger unerträglicher Lärm erzeugt werde unter der Aufsicht der Behörden, befand Hans Maier. Eingeräumt wurde, dass es in den vergangenen Wochen relativ ruhig war, da die Anlagen im Werk von German Pellets vermutlich nicht voll gefahren wurden, ehe es in zwei Nächten der jüngsten Vergangenheit gewaltig krachte. Daraufhin gab es zahlreiche telefonische Beschwerden im Rathaus. Eine Frau berichtete, ihr sei gesagt worden, bereits die 31. Anruferin zu sein. Im Rathaus hatte auch Hans Maier angerufen, um im Amtsblatt den Termin für das vorgestrige Treffen veröffentlichen zu lassen. Wenige Minuten später sei er dann vom Bürgermeister zurückgerufen worden, der versprochen habe, eine Bürgerversammlung abzuhalten. Diesen Termin wollen die Leute vom Wartberg nun vorerst abwarten, ehe sie sich möglicherweise zu einer Bürgerinitiative oder Interessengemeinschaft zusammenschließen. Heinz Kleimaier, Heidenheimer Zeitung