Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg e.V. (BI-GP)

Die Informations-Seite zu Lärm, Staub und Geruch

12. August 2010:

Unsere "neue" Homepage ist freigeschaltet

Sehr geehrter Besucher,
die Homepage der BI-GP ist umgezogen und wurde komplett überarbeitet. Diese Seite wird nicht mehr weiter gepflegt!

Bitte besuchen Sie unsere neue Homepage unter dem Link

www.BI-GP.de

 

Internationaler Tag gegen Lärm 2010

Weltkugel Tag gegen Lärm

Am 28. April 2010 findet der 13. Tag gegen Lärm - International Noise Awareness Day statt. Das Motto lautet „Kostbare Ruhe - teurer Lärm" .

Termin verpasst? Keine Zeit gehabt? Nicht daran gedacht? Kein Problem:
Der nächste "Internationale Tag gegen Lärm" ist am 16. April 2011.

 

24. März 2010

Mitgliederversammlung

Bei den Wahlen wurde der Vorstand bestätigt.
Die BI-GP trauert um Ingo Gödeke
.

Vereinszweck der BI-GP ist gemäß Satzung die Information der Bevölkerung über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Lärm, Staub und Gerüche. Diesem Anspruch will die Bürgerinitiative auch weiterhin genügen. Nach der Begrüßung durch Vorsitzenden Peter Ohnemus fasste Klaus Deutschkämer das zurückliegende Vereinsjahr und die aktuelle Situation in seinem Vortrag zusammen.

>>Vollständiger Bericht

Rechner Dieter Beck berichtete von einem insgesamt zufriedenstellenden Kassenergebnis, erhebliche Ausgaben wurden für Rechtsberatung aufgewendet. Er dankte den zahlreichen Spendern, die diese Arbeit ermöglichten. Es sei auffallend, dass viele Spender in Heilberufen oder im Gesundheitswesen tätig sind.

Die Kassenprüfer Maria Brettschneider und Leo Schaub bescheinigten eine einwandfreie Kassenführung. Die Entlastung der Vorstandschaft erfolgte einstimmig. Bei den anschließenden Neuwahlen wurde die Vorstandschaft bestätigt.

Die Bürgerinitiative trauert um ihr kürzlich verstorbenes Mitglied Ingo Gödeke, der nicht nur für die BI-GP mit seinem enormen Fachwissen und Engagement unschätzbare Arbeit geleistet hat. Lothar Krikowski vom BUND würdigte die Tätigkeit des international anerkannten Experten für Abfall und Recycling in einem Nachruf. Sein Tod ist ein schwerer Verlust.

 

Ingo Gödeke

Am 21. März 2010 starb Ingo Gödeke, Chemielaborant und 2. stellv. Sprecher des BUND Bundesarbeitskreis Abfall.

Ingo Gödeke Er hat uns und viele andere Menschen mit seinem enormen Fachwissen und seinem Engagement für die Umwelt als "Sachbeistand" in unschätzbarer Arbeit unterstützt.

Sein Tod ist ein schwerer Verlust. Wir haben einen Freund verloren.

 

 

23. Oktober 2009

Staubexplosion bei German Pellets in Wismar

Freitag nachmittag gegen 16:30 Uhr steht German Pellets in Wismar in Flammen. Eine dicke schwarze Rauchwolke zieht kilometerweit über die Stadt..

Eine Staubexplosion hat wieder einmal einen Großbrand bei German Pellets in Wismar ausgelöst. Verletzt wurde zum Glück niemand. Bereits im September 2008 und Anfang 2006 entstand durch Feuer erheblicher Schaden an der Pelletieranlage.

Augenzeugen sprechen von einem Feuerball. Die Anwohner werden gebeten, Fenster und Türen zu schließen. Der Rauch des Großbrandes ist noch in 15 Kilometer Entfernung zu sehen.

Weitere Informationen bei der >> Bürgerinitiative Immissionen Haffeld.

 

Weihnachts-Glühwein-Umtrunk

23. Dezember 2009: Mitten in Orschweier trafen sich auf dem Malaucèner Platz zahlreiche Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiative zu einem lockeren Schwätzchen unterm festlich beleuchteten Tannenbaum.

Bei Glühwein oder Kinderpunsch wurde mitten in den weihnachtlichen Vorbereitungen kurz innegehalten und man unterhielt sich über die alltäglichen Dinge, die uns in Orschweier und Umgebung so umtreiben.

Die BI-GP bedankt sich bei den zahlreihen Besuchern, die sich so spontan die Zeit genommen haben, der Einladung des Vorsitzenden Peter Ohnemus zu folgen.

 

Gesundheitsgefahren durch Staub, Feinstaub und Schimmelpilze

26. Mai 2009: Informationsabend der BI-GP.
Pressebericht von Michael Masson.

Wie immer, wenn die "Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg" (BI-GP) zu einer Informationsveranstaltung einlädt, platzte das Nebenzimmer in der Orschweierer "Krone" aus den Nähten. Thema des Abends vorigen Dienstag: "Gesundheitsgefahren durch Staub, Feinstaub und Schimmelpilze".

Längst kein Geheimnis mehr: Die BI-GP klagt nicht nur seit Jahren über grenzwertüberschreitende Lärmbelästigungen der Firma "German Pellets" auf dem benachbarten interkommunalen Industriegebiet "DYN A 5", sondern auch über Staubemissionen, die sie für gefährlich hält. Peter Ohnemus, einer der beiden BI-GP- Vorsitzenden, machte zum Einstieg deutlich, worum es geht: Sichtbare Stäube, die bisweilen in Orschweier nieder gehen, seien "noch die harmlosesten". Man habe jedoch aus einer offiziellen "Staubemissions- und Immissionsprognose" der Firma GICON heraus gelesen, dass allein vom Bandtrockner bei German Pellets, dessen Abluft (stündlich etwa 300 000 Kubikmeter pro Stunde) über Gebläse ungereinigt in die Umgebung gepustet werde, über 70 Prozent der festen Bestandteile als Feinstaub die Kamine verlassen. Das sind laut Ohnemus derzeit etwa 90 Tonnen pro Jahr, mehr als doppelt soviel, als vor Errichtung der Pellet-Fabrik im Raum Ettenheim und Mahlberg von sämtlichen anderen Verursachern gemeinsam in die Luft befördert wurde. Damit würde sich dank überwiegender Inversionswetterlage eine "Feinstaubglocke" mit rund 1,2 Kilometern Radius oft auch über die benachbarten Orte Grafenhausen und Ettenheim nieder senken.

Hier hakte Dr. Roland Weghaupt als geladener Fachreferent ein, erläuterte vorab die Funktion der menschlichen Atemwege und den Einfluß von Feinststäuben darauf. Sein Fazit: Sie würden im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren für Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen, auch für Allergien und Asthma, dazu für Entzündungen und Stoffwechselstörungen im Gehirn sorgen, das Schlaganfall-Risiko erhöhen, schließlich die Lebenserwartung senken.

Das nahmen die Zuhörer mit Betroffenheit zur Kenntnis, obwohl Weghaupt vorher betont hatte, dass keinerlei Panik angebracht sei. Allerdings, räumte er ein, seien die bisher bekannten Staubemissionen der Firma German Pellets sehr bedenklich. Auf Rückfragen empfahl er, künftig Störungen und Auffälligkeiten zu notieren und den Orts- und Stadtverwaltungen zu melden: "Überreaktion ist falsch, aber ich rate, bei gesundheitlichen Problemen, die mit Feinstaub in Zusammenhang stehen könnten, sofort zum Arzt zu gehen und ihm entsprechende Hinweise zu geben!"

Auf die Frage mehrerer Bürger, wer sie eigentlich vor Gesundheitsgefahren beschützen könne, kamen Hinweise anderer Gäste, dass jeder Bürger bei den kommenden Kommunalwahlen mit seinen Stimmabgaben für eine Vertretung seiner Interessen sorgen könne. Zusätzlich wurde angeregt, künftig "Spot-Staubmessungen" mit einem offenbar vorhandenen Messwagen des Ortenaukreises durchzuführen, gar eine ständige Messstation einzurichten. Peter Ohnemus versprach abschließend auch namens seines gerade urlaubenden BI-GP-Mitvorsitzenden Klaus Deutschkämer: "Wir werden gegen eine Verdoppelung der Produktionskapazität der Firma German Pellets kämpfen, bevor nicht auch die Frage der Staubbelästigung befriedigend geklärt ist!" Auch über Gefahren durch Schimmelpilze in offen gelagerten Späne- und Rindenmulchhaufen sei noch zu reden: Die werden spätestens bei deren Umsetzung frei. Ohnemus: "Das gefährdet nicht nur zuerst die Gesundheit der Pellet-Arbeiter, sondern ebenfalls unsere als Anwohner!"

Lesen Sie dazu auch den folgenden Aufsatz: "Ganz schön viel"
(PDF, ca. 146 KB).

 

23. Februar 2009:

Lärmerhöhung in Orschweier?

ORSCHWEIER. Nach aktuellen Informationen steht zu befürchten, dass im Mahlberger Gemeinderat eine Entscheidung vorbereitet wird, die eine Verdoppelung von German-Pellets (zweites Heizwerk und noch mal zwei Trockner) ermöglichen würde.

Schlimmer noch: Denn langfristig wären dadurch auch die Voraussetzungen zum Bau eines Biomassekraftwerkes geschaffen. Damit wäre der Einstieg zum Kraftwerkstandort DYN-A5, trotz klarem Bürgerentscheid in Ettenheim quasi durch die Hintertür doch noch gelungen.

Ein unscheinbarer Gemeinderatsbeschluss mit gigantischem Ausmaß!

Für die Bürger in Orschweier würde dieser Beschluss eine Katastrophe bedeuten, aber auch die umliegenden Gemeinden wären davon betroffen. Erfahren Sie mehr über das Drama DYN-A5 und die Auswirkungen dieser Gemeinderatsentscheidung, die möglicherweise auch für Sie demnächst erhebliche Nachteile bringen könnte.

Opfern Sie ein paar Minuten, diese können entscheidend für die Zukunft in unserer Region sein! Lesen Sie bitte unser
>> Einladungsblatt (PDF, ca. 44 KB) .

 

Ostsee-Zeitung vom 5. Februar 2009:

Anwohner erhält 20 000 Euro
von Pelletswerk wegen Lärmbelästigung

WISMAR: Ein Anwohner hat vor dem Amtsgericht Wismar eine Schadensersatzklage wegen Lärmbelästigung durch das dortige Pelletswerk gewonnen...
>> Artikel lesen.

Am 7. Februar 2009 druckte die Ostsee-Zeitung zu dem Thema noch folgende
>> Betrachtung am Wochenende.

 

Permanente Lärmüberwachung erforderlich?

ORSCHWEIER. In der Nacht vom 12. auf den 13. Januar gegen 4 Uhr wurden etliche Anwohner wieder mal aus dem Schlaf gerissen. Ein entnervter Bürger berichtet: "Ich vermutete zunächst eine Hubschrauberstaffel, aber das typische Geräusch "tsching - tsching" alle 1 bis 2 Sekunden kenne ich vom Rundholzplatz bei GP." Ein anderer störte sich vor allem an einem hämmernden Klopfen, dessen Herkunft er ebenfalls vom Rundholzplatz des Pelletwerks vermutet.

Auch der Polizei wurde die Ruhestörung gemeldet. Der Beamte bestätigte, dass er das Geräusch durch das Telefon hören könne.

Da die Messgeräte noch aufgebaut waren, war es kein Problem, ein Messprotokoll zu erstellen. Nach diesem lagen die Pegelwerte deutlich über 50 dB(A). Die hohen Spitzen im Diagramm sind Zugvorbeifahrten, diese sind in diesem Wert natürlich nicht mit eingerechnet. In einem allgemeinen Wohngebiet gilt nachts ein Richtwert von 40 dB(A). Dies bedeutet eine mehr als dreifache Überschreitung.

Nach den Beschwerden bei Polizei und verschiedenen Behörden war es in den folgenden Nächten deutlich ruhiger. Bleibt abzuwarten, wie lange dieser Zustand anhält.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Feststellung, dass im Bericht der Dekra eine "Nasshammermühle" mit einem Schalleistungspegel von 112,1 dB(A) ermittelt wurde, bei der Berechnung des Lärms, der in Orschweier dadurch verursacht wird, aber offensichtlich im Vorgriff auf Schallschutzmaßnahmen nur mit dem wesentlich niedrigeren Genehmigungswert von 90 dB(A) gerechnet wurde. Wesentliche Daten dazu werden nicht bekannt gegeben.

Ein "mobiler Vorzerkleinerer" ist mit sagenhaften 122,9 dB(A) noch um ein Vielfaches lauter. Dieser laufe aber nur zeitweise und nur tagsüber - "laut Angaben des Betreibers GP", woran die Betroffenen in dieser Nacht jedoch nicht recht glauben wollten. Eine Anlage zur permanenten Lärmüberwachung halten wir deshalb für unumgänglich.

Trotz dieser Pegelwerte auf dem Rundholzplatz konzentriert sich die Messung der Dekra auf die Bandtrockner, die mit 105 dB(A) für Orschweier die dominierenden Anlagenteile sein sollen. Ziel der Untersuchung ist offensichtlich, die Voraussetzungen für die Genehmigung von zwei weiteren Trocknern zu schaffen. Es steht zu erwarten, dass damit auch weitere Geräte auf dem Rundholzplatz zum Einsatz kommen werden. Beginnt der Kampf um die Nachtruhe dann mit jedem zusätzlichen Gerät von vorne?

Eigene Messtechnik erweitert

12. Januar 2009: Die BI-GP hat mittlerweile drei komplett überarbeitete Lärm-Messgeräte, die mit hohem Aufwand entwickelt und nun mit einem professionellen Gerät abgeglichen wurden.


Durch gute Kontakte von Horst Queck bekam die Bürgerinitiative einen Präzisions- Impulsschallpegelmesser der Klasse 1 (von Bruel&Kjaer, einem namhaften Hersteller solcher Messgeräte) zum Abgleich unserer eigenen Geräte zur Verfügung gestellt.
Die folgende Abbildung zeigt die Gegenüberstellung der Messdiagramme. Die Abweichungen sind minimal und noch besser als bei unserem Vorgängergerät.

 

Bericht in der Badischen Zeitung vom 26. September 2008:

Dekra: German Pellets ist zu laut

ETTENHEIM/MAHLBERG: Die Ettenheimer Baurechtsbehörde fordert unter Androhung von Zwangsgeld vom Pelletsproduzenten rasche Verbesserungen.

>> Artikel als PDF Dokument (ca. 130 KB)

Unser Kommentar dazu:

Wie mittlerweile bekannt wurde, hat German Pellets durch ein nicht ganz korrektes Gutachten seinerzeit ein zu hohes Lärm-Kontingent genehmigt bekommen. Nach dem aktuellen Gutachten der Dekra wird aber auch dieser "flächenbezogene Schallleistungpegel" überschritten. Und dies, obwohl die Firma bereits Schallabsorber und weitere Lärmminderungs-Maßnahmen realisiert hat.

Was bedeutet dies überhaupt?

Genehmigt wurden tags 61 dB(A) und nachts 60 db(A) pro Quadratmeter. Bei einer Fläche von 25.000 m² bedeutet das einen "anlagenbezogenen Schallleistungspegel" von 60 db(A) + 10 log (25.000) = 104 dB(A). Interpretierbar als punktförmige Schallquelle mit einer Schallleistung von 104 dB(A).

Das Gutachten bewertete lediglich die Emissionen, also den Lärm, den das Werk produziert. Da hier im Wesentlichen der genehmigungskonforme Betrieb der Anlage überprüft wurde, sei der Rundholzplatz nicht in die jetzt bekannt gemachten Messergebnisse eingerechnet worden. Dies sei nicht Teil der Untersuchung gewesen, hieß es.

Dennoch wurde festgestellt, dass auch die dort installierte Hammermühle den genehmigten Schallleistungspegel um 22 dB überschreite. Dies entspricht einer ca. 150-fachen Überschreitung! Weitere Geräte seien zwar genehmigt, aber während der Messung nicht vorhanden gewesen.

Die BI-GP hat bezüglich des Volllast-Betriebes während der Messung immer noch Zweifel, die zugehörigen aufgezeichneten Messdaten könnten aus Gründen des Betriebsgeheimnisschutzes nicht veröffentlicht werden.

Auch die Abnahme-Messung des Heizwerkes stünde immer noch aus. Die BI-GP hat die Überschreitung eines Grenzwertes bereits im April beanstandet. Dies wurde auch vom Landratsamt inzwischen bestätigt.

 

Erste BI-Grill-Party

13. Juli 2008: Das erste Fest der Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim-Mahlberg (BI-GP) wurde zu einem vollen Erfolg. Zahlreiche Gäste auch aus der Umgebung fanden sich ein.


Der guten Stimmung machte auch einsetzender Regen kein Ende, doch mussten die Festlichkeiten später in die angemietete Halle verlagert werden. Der Harmonika-Spielring Ettenheim sorgte mit einem ansprechenden Programm für dezente musikalische Unterhaltung.

Auf mehreren Stellwänden hatte die BI-GP ihre Arbeit seit der Gründung im Oktober vergangenen Jahres dokumentiert. Die Vorsitzenden Klaus Deutschkämer und Peter Ohnemus waren mit allen beteiligten Helfern überglücklich, dass ihr Fest entgegen mancher Bedenken derart erfolgreich verlief.

Sie bedanken sich bei allen Besuchern, vor allem auch bei den zahlreichen Helfern und dem Harmonika-Spielring Ettenheim für die musikalische Unterstützung. Besonderer Dank gilt auch örtlichen Firmen und Betrieben, die uns bei der Festgestaltung unter die Arme gegriffen haben. Die Stimmung war prächtig, gefreut haben wir uns auch über die Gespräche am Rande über die nächsten Vorhaben der Bürgerinnitiative. Die wird noch genug zu tun bekommen, auch Dank zahlreicher Unterstützung und Spenden können wir unsere Arbeit im Interesse der Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität unserer Raumschaft ungebrochen fortsetzen.

 

Bürgerentscheid war erfolgreich!

27. April 2008: Deutliche Mehrheit der Ettenheimer Wähler entscheiden sich gegen ein Biomassekraftwerk.

Von den 9393 wahlberechtigten Ettenheimern gingen 4544 zur Wahl. Die Wahlbeteiligung lag damit bei beachtlichen 48 Prozent.

Mit Ja (zur Ablehnung des Kraftwerks) stimmten 3271 Wähler (34,82 Prozent der Wahlberechtigten). Mit Nein (gegen das Bürgerbegehren) stimmten 1242 Einwohner (13,22 Prozent der Wahlberechtigten). Damit ist der Bürgerentscheid gültig, da mehr als 25 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja gestimmt haben.

71,98 Prozent der abgegebenen Stimmen waren "Ja" Stimmen,
27,33 Prozent stimmten mit "Nein".

Wir danken allen Wählern, dass sie mit ihrer Stimme zu dieser hohen Wahlbeteiligung beigetragen haben.

 

Die Vorgeschichte:

Aktuelle Emissionen im "Zweckverbandsgebiet DYN A5"
Foto: BI-GP Ettenheim vom 20. Oktober 2007, 9:15 Uhr

 

Ja - am 27. April 2008 Kraftwerk verhindern!

Worum geht es beim Bürgerentscheid in Ettenheim?

1. Die Bürger von Ettenheim dürfen direkt entscheiden

Zahlreiche Helfer und Einwohner von Ettenheim haben erhebliche Mühen auf sich genommen, um diesen Bürgerentscheid möglich zu machen. Nutzen Sie die seltene Gelegenheit, über dieses wichtige Thema in Ihrer Gemeinde direkt mitzubestimmen. Ein Bürgerentscheid ist gelebte Demokratie!

2. Über was wird abgestimmt?

Die Frage, die auf jedem Stimmzettel abgedruckt ist, lautet:

"Sollen die Vertreter der Stadt Ettenheim in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg einem Grundstücksverkauf für ein Biomassekraftwerk widersprechen?"

Die Frage, die übrigens von den Initiatoren des Bürgerentscheids formuliert wurde, muss leider so umständlich formuliert sein: Das Grundstück, auf dem das BMHK nach derzeitigem Stand geplant ist, gehört nämlich nicht mehr der Stadt Ettenheim, sondern einer Erschließungsgesellschaft. Die Stadt Ettenheim hat nur noch ein Vetorecht, das heißt, sie hat sich sicherheitshalber die Möglichkeit eingeräumt, einem Verkauf zu widersprechen. Und genau dies verlangt das Bürgerbegehren.

Um das Kraftwerk zu verhindern, muss am 27. April die Mehrheit der Wähler mit Ja stimmen und dies müssen mindestens 25% der Ettenheimer Wahlberechtigten sein. Die meisten Bürgerentscheide scheitern leider an der Wahlbeteiligung. Deshalb: Gehen Sie bitte wählen!

JA am Sonntag heißt NEIN zum Kraftwerk

Lassen Sie sich nicht verwirren! Entgegen der Darstellung in einigen Medien geht es hier nur um die Ablehnung des Kraftwerks. Wenn genügend Bürger mit "Ja" stimmen, ist die Stadt Ettenheim für 3 Jahre an den Bürgerentscheid gebunden und muss einem Verkauf widersprechen. Danach kann neu entschieden werden. Im Gegensatz dazu hat der Bau eines Kraftwerks Folgen für die nächsten Generationen!



3. Warum lehnen wir ein BMHK ab?

Der folgende Filmbeitrag des WDR deckt sich sehr gut mit unserer Kritik (zur Wiedergabe ist der "RealPlayer" erforderlich):

Biomasse oder Müllverbrennung?
[WDR aktuell vom 17.10.2006]

Neuer Müllskandal in Köln? Vier Jahre nach dem großen Müll- skandal in Köln sorgen Pläne für eine neue Müllverbrennungsanlage für Wirbel. Den Betreibern und der Stadt Köln droht nun ein neuer Skandal.

4. Unsere wesentlichen Kritikpunkte:

  • Ein BMHK macht DYN A5 zu einem Kraftwerks-Standort. Weitere Kraftwerks-Projekte sind dann absehbar, weil künftigen Investoren nicht verwehrt werden kann, was dem ersten genehmigt wurde. Und was jetzt noch an Einschränkungen beschlossen wurde (sogen. Positionspapier), gilt dann womöglich nicht mehr ("Dreck zieht Dreck an").

  • Das Kraftwerk wird zu mehr Emissionen führen: Das jetzige Heizwerk von German Pellets hat eine FWL (Feuerungswärmeleistung) von 19 MW (MegaWatt). Dazu verbrennt es pro Stunde über 8 Tonnen Brennstoff, pro Jahr sind das über 60.000 Tonnen!. Ein BMHK wie in Herbrechtingen mit 49 MW FWL kann zwischen 10 und max. 25 MW (nach Angaben der Betreiber) thermische Leistung auskoppeln. Der Rest wird für die Erzeugung von Strom (15,7 MW) gebraucht oder wird als Verlustwärme in die Umgebung abgegeben. Das heißt im Klartext: Nach der (bereits beantragten) Kapazitäts-Verdoppelung von German Pellets reicht ein BMHK nicht mehr aus, um die benötigte Wärme zu lieferen. Entweder German Pellets betreibt mindestens eines seiner Heizwerke weiter, oder es muss noch ein zweites BMHK (oder ein größeres) gebaut werden. Und die Planungen zu weiteren Wärmeabnehmern (Streit?) wurden dabei noch nicht berücksichtigt.
    Ob diese Steigerung der Feuerungswärmeleistung von 19 auf (rechnerisch) 64 MW durch eine bessere Filtertechnik ausgeglichen werden kann, darf wohl bezweifelt werden. Auch das Pelletwerk muss Emissionsgrenzwerte einhalten.

Strom gibt es nicht umsonst

Und wenn es noch so oft in der Zeitung steht ("Strom quasi Abfallprodukt"): Strom gibt es nicht umsonst. Die Energie, die als Strom ins Netz eingespeist wird, kann nicht noch einmal als Wärme genutzt werden (dafür gäbe es einen Nobelpreis). Wenn zur Prozesswärme zusätzlich Strom erzeugt werden soll, muss in einem Heizkraftwerk für eben diese Energie auch etwas verfeuert werden (Verluste noch gar nicht berücksichtigt). Dass dies nicht jeder versteht, ist eine Sache. Wer dieses simple physikalische Prinzip aber beharrlich so falsch darstellt, verbreitet Fehlinformation.


  • Gefahr der Verbrennung von "Ersatzbrennstoffen": Bereits heute ist Altholz knapp. Deshalb befürchten auch wir, dass künftig hauptsächlich höher belastetes Altholz oder "Ersatzbrennstoffe" energetisch verwertet werden. Und die Umdeklaration der EU von Müll zu "erneuerbarer Energie" lässt berechtigte Zweifel am Brennstoff "Holz" aufkommen.

  • Kontrollen des Brennstoffs sind praktisch nicht möglich. Kontrollen sind nur rund alle 25 LKW vorgeschrieben und dies lediglich durch einfache Sichtprüfungen (und Probennahmen). Die Lieferbetriebe sollen zertifiziert werden. Aber wer kontrolliert die Lieferanten, wenn das Brennmaterial dann noch aus dem Ausland kommt?

  • Keine weiteren Groß-Verbrennungsanlagen im Rheintal. An 236 Tagen im Jahr herrscht im Rheintal Inversionswetterlage. Die Schadstoffe können sich dann nicht wie geplant verteilen, sondern reichern sich rund um die Anlagen an wie unter einer Käseglocke. So gelangen sie auch in die weiter entfernten Seitentäler. Besonders erheblich sind die Schadstoffe Stickoxide (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Chlorwasserstoff (HCl) und Schwermetalle (keine Grenzwerte bei Anlagen unter 50 MW), sowie Staub.

    Ein Kraftwerk, das nach der 13. BImschV genehmigt ist, darf etwa folgende Schadstoffe in die Luft blasen (bei einem zu erwartenden Ausstoß von 100.000 m³ pro Stunde):


    Parameter

    Grenzwert
    13. BImschV
    in mg/m³


    kg pro Tag


    kg pro Jahr

    NOx

    800

    1.920

    640.000

    SO2

    400

    960

    320.000

    CO

    250

    600

    200.000

    HCl

    100

    240

    80.000

    Staub

    50

    120

    40.000


    SO2 und NOx reizen die Schleimhäute und Atemwege.
    Akut können Atembeschwerden bis hin zu Lungenödemen auftreten.

    Um diese CO Emissionen zu erreichen, müsste ein Auto (Benziner) täglich ca. 400.000 km zurücklegen. Um diese NOx Emissionen zu erreichen, müsste ein Auto täglich ca. 9,6 Millionen km zurücklegen.

  • Staub und Feinstaub haben wir schon jetzt zu viel. Auto- und Eisenbahn führen dazu, dass in unserer Gegend der Tagesmittelwert durch PM10-Staub bereits deutlich über dem Grenzwert von 50 µg/m³ liegt (GICON Prognose vom 10.05.2007). Messungen der tatsächlichen Belastung gibt es (noch) nicht. Aber nach dieser Modellrechnung hätte sich im Jahr 2006 wegen der Zusatzbelastung durch DYN A5 die Zahl der Überschreitungen des Staub-Grenzwerts von 20 auf 27 Überschreitungen erhöht.

    Staub und besondes Feinstaub gelten lt. Umweltbundesamt (UBA) ohne Angabe einer Schwelle als schädlich. Reihenuntersuchungen lassen offenbar einen direkten Zusammenhang zwischen Feinstaub und Sterblichkeit erkennen:

Erhöhte Sterblichkeit

Langzeitstudien zeigen, dass eine zusätzliche Feinstaubkonzentration von 10 Mikrogramm/Kubikmeter im Jahresmittel mit einem Anstieg der Sterblichkeit verbunden sind:

  • 6 Prozent erhöhte Gesamtsterblichkeit
  • 9 Prozent erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf und Atemwegserkrankungen
  • 14 Prozent erhöhte Sterblichkeit an Lungenkrebs

Die Lebenserwartung wird durch langfristige Schwebstaubbelastung nach Berechnungen voraussichtlich um bis zu zwei Jahre sinken.

Quelle: UBA (Hintergrundpapier Feinstaub) feinstaub.pdf   (479 KB)


  • Weitere Argumente auf unserer Homepage oder im Internet.
    Wer sich informieren will, findet genügend Gründe, ein BMHK an diesem Standort abzulehnen. Es wird kein Kohlekraftwerk oder private Feuerungen ersetzt, die Wärme die angeblich ersetzt werden soll, wurde zusammen mit dem Kraftwerk geplant. Die geschaffenen Arbeitsplätze stehen in ungünstigem Verhältnis zum Flächenverbrauch. Die Risiken für uns und unsere Kinder sind uns einfach zu hoch...

    Weitere Informationen im Internet finden Sie auch direkt unter dem folgenden Link:

    http://www.buergerbegehren-ettenheim.de

 

Grenzwerte 200-fach überschritten!

1.-3.02.2008 - In "Der Guller" berichtet Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz: "Die Bandtrockner dürften 76 dB(A) bringen und liegen nach der von uns geforderten Kontrollmessung mit 98 und 99 dB(A) deutlich darüber. Der Wert ist also deutlich überschritten." Und dies trotz Schalldämpfer nach dem "besten Stand der Technik".

Während die Badische Zeitung noch von 20 dB Überschreitung und dem 100-fachen des erlaubten Wertes schreibt, entsprechen 23 dB allerdings bereits dem Faktor 200. Aber darauf kommt es ja nun vielleicht auch nicht mehr an...

Badiche Zeitung: Metz sieht bei German Pellets dringend Handlungsbedarf. "Wir werden die Angelegenheit jetzt sofort angehen. Die Firma muss umgehend handeln." Innerhalb einer Woche soll das Unternehmen Lösungsvorschläge auf den Tisch legen, wie es die "deutliche Überschreitung der Grenzwerte" in den Griff bekommen will. In einer "dann angemessenen Frist muss German Pellets dann die Mängel so beheben, dass die Grenzwerte unterschritten werden."

Landrat Klaus Brodbeck und Eckardt Ibach, Chef der Gewerbeaufsicht machten deutlich, dass die Zuständigkeit für die Genehmigung und damit das Einfordern von Einhaltungen der Grenzwerte ausschließlich bei der Stadt Ettenheim liege...

Unser Tipp:
Vergleichbares gibt es auch im Wismarer Werk von German Pellets. Wer sehen will, welche Fortschritte es beim Lärmschutz der Anwohner dort gibt, der besuche folgenden Link: Wismar - Bürgerinitiative Immissionen Haffeld

 

Neues aus Achern

23.01.2008 - Während Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz immer noch für den Ausbau des sogenannten "Holzclusters" im Industriegebiet "DYN A5" wirbt, und sich mittels Bürgerentscheid die Verantwortung für den Bau und die Folgen eines "Bio"massekraftwerks von der Ettenheimer Bevölkerung abnehmen lassen will, spricht man in Achern im Zusammanhang mit der Ansiedlung des dortigen Pelletwerkes von "Fehlern von Verwaltungsspitze und Gemeinderat", OB Muttach von "Schadensbegrenzung".

Weitere Informationen im Online Magazin "baden-online":
- 23.01.2008 Heftiger Gegenwind für Pelletswerk.
- 21.01.2008 Vorrang für arbeitsplatzintensive Firmen.
- 19.12.2007 Messstation für Achern gefordert.

 

Pelletswerk in Achern für Hustenreiz und brennende Augen verantwortlich?

"Der Protest gegen die Staubbelastung durch das neue Acherner Pelletwerk geht in die nächste Runde: Am Donnerstag klagte ein Autohaus erstmals öffentlich über Gesundheitsprobleme seiner Mitarbeiter. Dabei verweist es auf Staubablagerungen an seinen Fahrzeugen..."
"Man habe sich vom ökologischen Hintergrund der Firma blenden lassen, hieß es. Roland Kist (SPD): »Wir müssen nun mit etwas leben, dass wir so nicht gewollt haben.«"

Nun auch in der Landesschau:
Sendung vom Freitag, 11.1.2008, 18.45 Uhr des SWR Fernsehen in Baden-Württemberg (SWR.de) über das Pelletswerk in Achern:
- Streit wegen Pelletwerk (SWR3 podcast)

  Weitere Informationen im Online Magazin "baden-online":
- 17.12.2007 Hustenreiz und brennende Augen - Holler informiert Gesundheitsamt.
- 13.12.2007 Massiver Werteinbruch der Immobilien
- 13.12.2007 Unmut in der Bevölkerung wächst
- 12.12.2007 Pelletswerk verschlechtert die Luft
- 26.09.2007 Pelletsfabrik nervt die Anwohner

 

Ettenheimer starten nun auch
Bürgerbegehren gegen BMHKW

Seit 29. November sammeln Ettenheimer Bürger um Erik Frey und Horst Queck nun auch Stimmen mit dem Ziel, "dem Gemeinderat vor Augen zu führen, wie die Stimme des Volkes wirklich ist". Wenn rund 900 Ettenheimer Wahlberechtigte das Bürgerbegehren unterschreiben, kann beim Gemeinderat ein Bürgerentscheid beantragt werden...

Weitere Informationen im Internet unter
http://www.buergerbegehren-ettenheim.de

Oder direkt die Unterschriftenliste herunterladen und ausfüllen:
>> Unterschriftenliste (PDF, ca. 20 KB)

 

Bürgerinitiative Gewerbepark ist jetzt e.V.

Am 7. November wurde die Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg in das Vereinsregister beim Amtsgericht Ettenheim eingetragen und darf sich nun "e.V." nennen. Die Gemeinnützigkeit wurde vom Finanzamt per 15.11.2007 bescheinigt. Somit ist die BI-GP berechtigt, für Spenden entsprechende Zuwendunggsbestätigungen auszustellen. Spenden werden erbeten auf das Konto

  • Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg e.V.
  • Kontonr.: 180 656 06
    BLZ: 682 900 00 (Volksbank Lahr)

 

Aus aktuellem Anlass nochmal

Müllverbrennung im Schafspelz

Biomassekraftwerke mit Altholzfeuerung
Müllverbrennungsanlagen im Schafspelz

HINTERGRÜNDE - ALLES WAS MAN ÜBER BIOMASSEHEIZKRAFTWERKE WISSEN MUSS
[Auszug. Vollständiger Artikel als PDF-Dokument]

[..] Den Beteuerungen der Investoren, bei Altholz handele es sich um einen Brennstoff, der in seiner Zusammensetzung frischem Holz nahe komme, kann kein Glauben geschenkt werden. Mit Ausnahme von naturbelassenem Holz handelt es sich hier um Abfall, der Schadstoffgehalte erreichen kann, die im Bereich von Restmüll liegen. Entsprechend hoch können demnach auch die Schadstoffkonzentrationen im ungereinigten Abgas sein. Für die Verbrennung von Altholz müssen daher im Prinzip die gleichen Anforderungen an die Rauchgasreinigung gestellt werden, wie bei der Müllverbrennung[..]

Quelle: KGV-Rundbrief 2+3/2001 (PDF / 244 KB)

weitere Infos auf unserer "Link"sammlung...

 

"Ich glaube, die haben da
einen Rechtsanspruch darauf..."

Foto: BI-GP Ettenheim vom 20. Oktober 2007, 9:15 Uhr

Das Biomassekraftwerk würde die Leistung
der German-Pellets Heizwerke ersetzen

German Pellets plant die Verdoppelung der Produktion (lt. Bürgermeister Metz hat GP einen Rechtsanspruch darauf) und würde dann jährlich 130.000 Tonnen Holzreste verbrennen. Das geplante BMKW soll laut Betreiber 140.000 Tonnen "Holz" verbrennen und somit nur die Leistung der German-Pellets Heizwerke ersetzen.

Was nicht gesagt wurde ist, dass German Pellets lediglich eine Genehmigung zur Verbrennung von Altholz Klasse A1 ("naturbelassen") hat, und somit durch diese Ersetzung bereits wie von der BI befürchtet die erste Verschlechterung auf Klasse A2 ("belastet") stattfinden würde.

Wir glauben, wir haben einen Rechtsanspruch auf saubere Luft und unsere Gesundheit!

Siehe auch Badische Zeitung vom 28.9.2007: "Das Recht auf saubere Luft. Bundesverwaltungsgericht: Städte sind verpflichtet, Anwohner vor Feinstaub zu schützen" (LEIPZIGer Urteil: Bürger können ihre Kommune auf wirksame Maßnahmen gegen übermäßige Feinstaubbelastung verklagen).

 

Mahlberger Stadträte und Bürgermeister Benz
lehnen Biomassekraftwerk kategorisch ab

Einstimmig lehnte der Mahlberger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung die Ansiedlung eines Biomassekraftwerks ab. Dies war kein "Schnellschuss", sondern zeigt, dass die gewählten Bürgervertreter ihren geleisteten Eid "zum Wohle der Bürger" ernst nehmen. Sicher wurde die Entscheidung beeinflusst von der persönlichen Betroffenheit und Mitgliedschaft einiger Stadträte in der BI-GP.

Im Übrigen ist diese Bürgerinitiative keine kriminelle Vereinigung, sondern eine demokratische Vereinigung von Bürgern, die wie der Gemeinderat das Wohl der Bürger zum Ziel hat.

Mit über 500 Mitgliedern ist diese BI mittlerweile zum größten Verein Mahlbergs geworden und repräsentiert damit einen sehr großen Teil der Bevölkerung. Die Vorstandschaft der BI setzt sich zusammen aus Stadträten, Vereinsvorständen und engagierten Bürgern aus den verschiedensten Bereichen. Diese Tatsache konnte und durfte vom Gemeinderat einfach nicht unberücksichtigt bleiben.

Die BI-GP informiert sich bereits seit etwa April 2007 zum Thema Biomasse-Kraftwerk, da wir damals bereits überzeugt waren, dass in Ettenheim dieselbe Konstellation aus Pellet Werk und BMKW wie in Herbrechtingen und Wismar realisert werden sollte. Das erklärte Ziel der Bürgerinitiative war es von Anfang an, Informationen zu Emissionen und Beeinträchtigungen für die Bürger zu recherchieren und zu veröffentlichen.

 

Unsere wesentlichen Erkenntnisse zum Thema BMKW:

 

Schon über ein Jahr her, aber immer noch lesenswert:
17.10.2006 Streit um Kölner Planungen zieht landesweit Kreise

Biomasse oder Müllverbrennung?

"Planungen für den Neubau eines Biomasse-Kraftwerks sorgen im Kölner Rathaus für Wirbel. Kritiker sehen darin ein Beispiel für eine Strategie interessierter Kreise, die Kapazitäten zur Müllverbrennung in NRW deutlich zu erhöhen."

Weitere Informationen bei WDR.de:
Biomasse oder Müllverbrennung?

 

Eine Randnotiz mit der lapidaren Überschrift "Auch das noch - Dreck gibt's immer" in der Badischen Zeitung vom 18. Januar 2007 bestätigt unsere seit langem befürchtete Tendenz, in sogenannten "Bio"massekraftwerken künftig auch Hausmüll "thermisch recyceln" (sprich: verbrennen) zu können. Die Gesetzesvorlage kommt von der EU:

EU-Kommission wertet auch
Müllverbrennung als erneuerbare Energie

"Einen neuen Weg, Europas Bilanz der erneuerbaren Energie aufzumotzen, ist der EU-Kommission eingefallen. Sie wertet die Verbrennung von Hausmüll zur Stromerzeugung als erneuerbare Energie. Die geplanten EU-Vorgaben zum Ausbau solcher Energiequellen ordnen die Müllverbrennung als Biomasse ein, war gestern aus Brüssel zu erfahren. Hausmüll würde damit der Energieerzeugung aus Wind, Wasser, Sonne oder Gärgasen aus der Landwirtschaft gleichgestellt."

Die Atomkraft werde hingegen nicht als erneuerbare Energie im Sinne der Richtlinie angesehen. Die Kommission will ihre Vorgaben zum Ausbau klimafreundlicher Energiequellen samt Zieldaten für die einzelnen Mitgliedstaaten am kommenden Mittwoch beschließen. Die EU-Staaten und das Europa-Parlament müssen den Vorschlägen zustimmen.

 

Im Aktionsplan für Biomasse der EU (PDF: 302 KB, vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) steht dazu als

Schlussfolgerung:

"Europa muss seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen überwinden. Dabei stellt Biomasse eine der wesentlichen Alternativen dar. Kosteneffiziente Maßnahmen zugunsten der Biomasse müssen auf europäischer Ebene entwickelt werden, damit

  • aus Innovationen auf einzelstaatlicher und lokaler Ebene größtmöglicher Nutzen erwächst,
  • eine klare Perspektive für die wichtigsten, auf europäischer Ebene organisierten Branchen aufgezeigt wird,
  • die Lasten gerecht verteilt werden.

In dieser Mitteilung wird ein koordiniertes Programm für Maßnahmen der Gemeinschaft dargelegt, namentlich zur Steigerung der Nachfrage nach Biomasse, zur Verbesserung des Angebots, zur Überwindung technischer Hindernisse und zur Entwicklung der Forschung."

 

Bericht in der Badischen Zeitung vom 16. Januar 2007:

Mahlberg misst den Lärm

MAHLBERG (eri). Die Stadt Mahlberg hat erstmals selber Messungen in Auftrag gegeben, die Aufschluss darüber geben sollen, wie viel Lärm von der Pelletsanlage an einzelnen Wohngebäuden in Orschweier ankommt. Bürgermeister Dietmar Benz informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung darüber, dass in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar an zwei bis drei Standorten gemessen worden sei. "Liegt der Wert unter den für die Nacht erlaubten 41 Dezibel muss dies als zumutbar akzeptiert werden. Wenn nicht, werden wir das Gewerbeaufsichtsamt auffordern, tätig zu werden" , sagte Benz gestern auf Anfrage. Die Auswertung erwarte er in rund einer Woche. Juristisch werde diese Messung nicht verwertbar sein, weil German Pellets nicht informiert gewesen sei. Der Zweckverband DYN A 5 der beiden Kommunen Mahlberg und Ettenheim werde demnächst mit Zustimmung von German Pellets Schall messen lassen, und zwar bei unterschiedlicher Auslastung der Anlage, sagte Benz.

Lesen Sie dazu unsen Kommentar (als PDF Dokument)

 

Aktion "Bürgerbegehren" gestartet

Seit 14. September hat die BI-GP mit der Sammlung von Unterschriften für das "Bürgerbegehren gegen ein Biomassekraftwerk" begonnen. Ziel der Aktion ist es, in Mahlberg und Orschweier die für ein Bürgerbegehren erforderliche Zahl von ca. 340 Unterschriften (in Mahlberg wahlberechtigter Bürger) zusammen zu bekommen. Falls dies gelingt, kann ein "Antrag auf Bürgerentscheid" gestellt werden.

Der Grund für diese Aktion liegt in den Ankündigungen des Zweckverbandes und von German Pellets, auf dem Gelände DYN A5 in unmittelbarer Nähe zu Orschweier ein sogenanntes "Biomassekraftwerk" errichten zu wollen. Die BI-GP ist kategorisch gegen ein solches Kraftwerk, weil nach den gesetzlichen Bestimmungen darin ein praktisch nicht kontrollierbarer Anteil belasteter Abfallhölzer verbrannt werden darf (vgl. dazu verschiedene Artikel auf dieser Webseite).

Die Bürgerinitiative legt Wert auf die Feststellung, dass sich die Einwohner mit der Unterschrift für das Bürgerbegehren weder für noch gegen ein Kraftwerk entscheiden, sondern erst die Voraussetzungen schaffen, dass zu dieser wichtigen Frage die Bürger überhaupt gehört werden. Diese Frage, deren Entwurf auf jeder Unterschriftenliste abgedruckt ist, wird dann beim Bürgerentscheid gestellt werden:

"Sollen die Vertreter der Stadt Mahlberg in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg einem Grundstücksverkauf für ein Biomassekraftwerk widersprechen?"

Bei überwiegend Wind aus Südwest wären vor allem Orschweier und Mahlberg von den Immissionen betroffen.

Aber auch Grafenhausen, Altdorf, Ettenheim und Ringsheim liegen im Beurteilungsgebiet nach der TA-Luft.

(Grafik anklicken zum vergrößern)

 
Dieser Widerspruch im Zweckverband ist das einzige Mittel, das der Stadt Mahlberg bleibt, um den Bau zu verhindern. Selbst dann könnte die Stadt Ettenheim auf Grund der Mehrheitsverhältnisse im Zweckverband das Grundstück im Alleingang an einen Investor verkaufen!

Zeigen Sie durch Abgabe Ihrer Stimme, dass Sie die Verantwortung für die Zukunft Ihrer Heimat ernst nehmen! Mitglieder der Bürgerinitiative werden in den nächsten Tagen die Unterschriftensammlung in Orschweier und Mahlberg durchführen.

>> Unterschriftenliste als Word Dokument

 

Alles nur Spekulation?

  • Bereits im Dezember 2006 wird in einem Magazin ausdrücklich die gute Arbeit der Ettenheimer Verwaltung gelobt. "Auch EnBW und Badenova sind bereits in die Planung eingestiegen. Ende 2008 könnte das Biomasse-Heizkraftwerk laufen."

  • Am 1. Februar 2007 sieht Peter H. Leibold im Ettenheimer Stadtanzeiger "in der Herstellung von Strom mit Biomasse eine weitere Ergänzung der eigenen Produktpalette".

  • Am 24. Mai 2007 informiert Peter H. Leibold in der BZ über ein beabsichtigtes Bio-Kraftwerk, bei dem sich German Pellets als Partner sieht: "Während landläufig Biomasse gleichgesetzt wird mit Mist oder sonstigen landwirtschaftlichen Stoffen, handle es sich hier um "nachwachsenden Waldrohstoff" [..]

  • Im Staubgutachten, vorgestellt am 5. Juli 2007 in der Bürgerversammlung in Orschweier, auf ausdrückliche Nachfrage bestätigt wurde, dass darin bereits ein BMHKW berücksichtigt sei.

  • Bereits in der BZ vom 14. Juli 2007 war zu lesen: "Wenn im Gebiet DYN A5 ein Biomassekraftwerk entsteht, wird eine Eingrenzung auf Hölzer maximal bis Klasse A2 erfolgen". Angesichts dieser klaren Aussage muss man doch davon ausgehen, dass der Verwaltung schon zu diesem Zeitpunkt die Bedeutung der verschiedenen Holzkategorien bekannt waren.

  • BZ vom 21. Juli 2007: "Jetzt doch Investor für Biomassekraftwerk"

  • Am 27. Juli 2007 ist dort zu lesen: "Er (BM Metz) habe es wirklich satt, immer wieder über die Kategorien diskutieren zu müssen".

  • Bürgerversammlung in Ettenheim vom 19. Oktober 2007, BM Metz erklärt: "Bis vor 3 Wochen hat es noch keinen Investor gegeben. Es gab Spekulationen, Annahmen, Befürchtungen. Wir Ettenheimer wollen uns nun informieren."

  • --> Hier geht's kostenfrei zum BMHKW Ulm
    (Holzklasse A1 bis A4).

 

Leserbrief von Michael Masson,
veröffentlicht am 20. Oktober 2007 in der Badischen Zeitung und der Lahrer Zeitung:

So umweltverträglich und biologisch ist das nicht

Herr Buteweg hat, das merkt man deutlich, als Wirtschaftsfachmann argumentiert. Er führt 450 vor 15 Jahren verlorene Arbeitsplätze ins Feld, nicht registrierend, dass viele auf anderem Wege längst neu geschaffen wurden, das BMK lediglich 15 verspricht. Und was nützen angebliche 200 000 Euro künftiger Gewerbesteuern, wenn die Bürger dafür mit gefährlichen Giften in der Luft und noch mehr Lärm zu kämpfen haben, die Immobilien weiter an Wert verlieren?

So umweltverträglich und biologisch, wie Herr Buteweg unkritisch den Investoren glaubt, die sich übrigens neu auf dem Markt tummeln und eine BMK-Anlage noch nirgends in Betrieb haben, ist das Projekt nämlich leider keineswegs.

Die angestrebte gezielte Begrenzung auf eine Leistung von 50 Megawatt macht möglich, sonst geltende strengere Auflagen zu umschiffen. Verbrannt werden sollen auch behandelte Hölzer der Schadstoffklasse A 2, dabei würden teils hoch giftige Stoffe freigesetzt. Der beigemischte Anteil des vorab zerkleinerten Müll-Holzes, alles andere als biologisch, ist nach eigenem Bekunden der Holzindustrie faktisch unkontrollierbar. Warum soll also eine Bevölkerung, die derzeit schon mit einem kürzlich aus dem Boden gestampften Pelletswerk gehörige Staub-, Lärm- und Geruchsemissionen zu schlucken hat, sich noch eine weitere Laus in den Pelz setzen lassen?

Herr Buteweg ignoriert auch, dass das geschaffene Industriegebiet "DYN A 5" am Ortsrand von Orschweier liegt, Tausende von Menschen tangiert. Bei der Ausweisung war keine Rede davon, dass hier Betriebe, die sieben Tage in der Woche 24 Stunden lang mit unerträglichen Emissionen produzieren, angesiedelt werden sollten.

Um sich selbst ein Bild davon machen zu können, was es heißt, Wohnwertqualität zu verlieren und Gesundheit zu riskieren, muss man nur ein paar Tage und Nächte in Orschweier verbringen. Da haben knallharte wirtschaftliche Interessen hintan zu stehen!

Michael Masson, Stadtrat, Mahlberg

 

 

"Wir brauchen sowas nicht!"

Unser Kommentar zur Berichterstattung der Badischen Zeitung vom 11. Oktober 2007 und der darin zitierten Aussage von Bürgermeister Dietmar Benz "Wir brauchen sowas nicht":

Um eines vorweg klarzustellen: Die Bürgerinitiative BI-GP arbeitet nicht "vehement gegen weitere industrielle Ansiedlungen". Es gibt genug zu uns passende Gewerbe- und Industriebetriebe in Orschweier und im Industriepark Ettenheim, mit denen wir in gut nachbarschaftlichem Verhältnis leben. Und wir würden uns über eine weitere Ansiedlung solcher Unternehmer freuen.

Aber wie unsere leidvollen Erfahrungen und Messungen zeigen, schaffen es die Firma German Pellets und die Aufsichtsbehörden nicht einmal, eines von bislang drei Werken (Wismar, Herbrechtingen und Ettenheim) nach dem Stand der Technik so auszustatten, dass die angrenzende Wohnbebauung in Ruhe damit leben kann. Was kommt denn dann noch alles auf uns zu, wenn die in den Startlöchern wartenden Firmen des Holzclusters bereits selbst Zweifel haben, ob sie mit den Lärmkontingenten auskommen? So schlimm kann es um die Finanzen einer Gemeinde doch nicht bestellt sein, dass die gewählten Vertreter der Bürger dafür sogar deren Gesundheit gefährden oder opfern?

Hier geht es doch nicht primär um den Klimaschutz, wie es uns eine nimmermüde Werbemaschinerie um die regenerativen Energien weismachen will, sondern um die handfesten Profitinteressen von Finanzinvestoren, die laut eigenen Angaben "zusammen mit einem amerikanischen Fond ständig auf der Suche nach neuen Projekten und Übernahmezielen zur Restrukturierung sind" und die auch noch mit unseren Steuergeldern subventioniert werden (Beispiel Energie-Einspeisegesetz EEG).

Mit dem Totschlag-Argument Arbeitsplätze und dem Attribut "Bio" versuchen Investoren überall ihre Projekte durchzudrücken. Unsere Gesundheit und der Wertverlust unserer Wohnungen dürfen diesen Interessen nicht einfach geopfert werden! Wer dies nicht zu verhindern versucht, trägt mit Schuld an den Belastungen, die auf uns und künftige Generationen zukommen werden.

Synergie-Effekte auf DYN A5 heißen dort mehr Profit - bei uns mehr Gift, Lärm und Gestank! Über die Begleiterscheinungen der A2 Verbrennung kann jeder auf unserer Webseite nachlesen.

So etwas brauchen wir hier wirklich nicht!

 

 

Leserbrief von Michael Masson,
veröffentlicht am 10. Oktober 2007 in der Badischen Zeitung und der Lahrer Zeitung:

Kein Glück fürs Öko-Herz

Noch in dieser Woche will sich die Novus-energy GmbH als möglicher Investor für ein Biomassekraftwerk auf DYN A 5 der Öffentlichkeit vorstellen (BZ vom 9. Oktober).

Nun ist die Katze also endlich aus dem Sack: Orschweierer Bürgern (und denen des Umlandes) soll zusätzlich zu einer Holzpellets produzierenden Firma, die bislang massive Probleme mit der Einhaltung von Emissionsrichtwerten hat, auch noch ein so genanntes "Bio" masse-Heizkraftwerk aufgehalst werden. Noch bis vor kurzem erklärten die Ettenheimer und Mahlberger Bürgermeister Bruno Metz und Dietmar Benz, dass es dafür keinerlei konkrete Planungen gäbe. Nun, nachdem als Notbremse ein Bürgerbegehren gegen dieses unerträgliche Projekt in die Wege geleitet worden ist, taucht plötzlich mit der "Novusenergy GmbH" eine Firma aus Elmshorn auf, die "in der Frühplanungsphase" sei. Und siehe: Sie will, wie längst befürchtet, nicht nur Althölzer der Verschmutzungskategorie A1 verbrennen, sondern auch solche der Kategorie A2. Das sind schadstoffbelastete ("behandelte") Hölzer, deren Verbrennung extrem gesundheitsgefährdende Gifte freisetzen kann, zumal die Menge ihrer Beimischung nicht kontrollierbar ist. Damit kann deshalb, wie es die "Novusenergy" frech fordert, kein ökologisches Herz glücklich sein. Es gilt, dieses unselige Projekt im Bereich von Wohngebieten mit aller Entschiedenheit zu verhindern. Nackte wirtschaftliche Interessen haben keine Priorität vor der Gesundheit unserer Bevölkerung: Sollen sie doch ihr belastetes Müll-Holz wenigstens in unbewohnten Gegenden verbrennen, wenn sie damit Geld machen wollen. Versprochene 55 Millionen Euro an Investitionssumme nützen uns nichts: Weder würde es nennenswert viele Arbeitsplätze geben, noch satte Gewerbesteuern, stattdessen hohe Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung.

Michael Masson, Mahlberg

 

 

Leserbrief von Erik Frey,
veröffentlicht am 14. August 2007 in der Badischen Zeitung und der Lahrer Zeitung:

Schlechtes Image für eine ganze Region

Zur Diskussion um die Ansiedlung eines Biomassekraftwerks auf DYN A 5

Mit meinem Leserbrief möchte ich die Politik von Herrn Metz und Herrn Benz als Bürgermeister von Ettenheim und Mahlberg kritisieren.

Als verantwortliche Funktionäre des Zweckverbandes betreiben sie aktiv die Ansiedlung von Betrieben, die deutliche Lärm-, Staub- und Schadstoffbelastungen verursachen.

Ich meine damit nicht zuletzt das geplante Kraftwerk, dem auch die Genehmigung zum Verbrennen von lackierten und folienbeschichteten Holzabfällen gegeben werden soll. Diese Entscheidung steht ja demnächst an.

Ich finde, Ettenheim und Mahlberg haben es nicht verdient, dass solche immissionsreichen Betriebe angelockt werden, die in anderen Industriegebieten abgelehnt wurden. In den umliegenden Gemeinden belächelt man uns bereits für diese kommunalpolitische Weichenstellung: Ich sehe die Gefahr, dass der Standort für „saubere“ High-Tech-Betriebe mit mehr und hochqualifizierteren Arbeitsplätzen wegen des Drecks und des dadurch entstehenden schlechten Images zunehmend uninteressant wird. Am Ende der Entwicklung stünde ein übles Industriegebiet da, wie es sich keiner wünscht, der hier gerne wohnt.

Ich habe große Sorge, dass die Ansiedlung solcher Industriebetriebe unseren Gemeinden hinsichtlich Lebensqualität, Gesundheit, Landschaft, Landwirtschaft und Tourismus Schaden zufügen wird:

  • Durch die momentane Staub- und Lärmbelästigung hat sich die Lebensqualität einiger Menschen bereits verschlechtert. Wenn die Pläne zur Holzmüllverbrennungsanlage verwirklicht werden, sehe ich eine gesundheitliche Gefährdung durch die Immission von Schwermetallen und Dioxinen. Eine Entscheidung für diese Industriebetriebe wird zu Lasten der Gesundheit unserer Kinder gehen.

  • Der Imageschaden für Ettenheim und Mahlberg ist katastrophal, wenn der erste Eindruck, von der Autobahn her kommend, von den 30-40 m hohen qualmenden Industrieanlagen geprägt wird. Das, was wir an unserer Region lieben, dass die Landschaft vergleichsweise unversehrt ist, geht verloren und dadurch auch die Attraktivität für Touristen. Dann helfen auch Imagebroschüren aus Hochglanzpapier nicht mehr.

  • Wenn die Holzabfallverbrennungsanlage so gebaut wird, kann in einem gewissen Umkreis keine sinnvolle Bio-Landwirtschaft mit Wein, Gemüse, Obst und Getreide mehr betrieben werden. Auch die privaten Gemüsegärten werden durch Chemie-Rückstände belastet.

Ich hoffe, dass die Gemeinderäte und die Bürgermeister ein solches Szenario noch verhindern werden, indem sie schon während der Vorverhandlungen tendenziell die Ansiedlung "sauberer" Betriebe bevorzugen. Bei Ermessensspielraum sollte nicht auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet werden. In Zukunft sollte darauf geachtet werden, dass die Experten, die die Einhaltung der Lärm-, Staub- und Schadstoffgrenzwerte untersuchen, finanziell unabhängig vom Schadstoffverursacher sind.

Die Bürgermeister und Bürgervertreter dürfen meiner Meinung nach auch in ihrer Funktion als Funktionäre des Industriegebiet-Zweckverbandes nicht vergessen, dass sie in erster Linie die Interessen der hier wohnenden Bürger vertreten sollten.

Immissionsreiche Betriebe zu Lasten der Wohnbevölkerung anzusiedeln, ist keine besondere politische Kunst. Im Gegenteil! Es profitiert hier nur der private Investor.

Wenn jetzt die Weichen jetzt für ein "schmutziges" Industriegebiet gestellt werden, hat das negative Auswirkungen auf Jahrzehnte, viel länger als die Amtszeiten unserer Bürgermeister dauern.

Erik Frey, Ettenheim

 

 

Badische Zeitung vom 7. August 2007 (Redakteur: Klaus Fischer)

Orschweierer klagen: Wirtschaft hat Vorrang

16 Familien aus Orschweier und drei aus Ettenheim erheben Widerspruch gegen die Pläne des Zweckverbandes, die Lärmkontingente auf DYN A 5 neu zu regeln

ETTENHEIM/MAHLBERG. 16 Familien aus Orschweier und drei aus Ettenheim wehren sich gegen einen Grundsatzbeschluss des Zweckverbandes DYN A 5, der die Interessen von Industrie und Gewerbe im Industriegebiet offenbar denen von Menschen, die an der Peripherie zum Areal leben, unterordnen will. Sie erhoben deshalb Widerspruch gegen die Änderung des Bebauungsplanes für das Areal "Rittmatten I und II" , bekannt als DYN A 5.

Besonders folgende Passage in der Bebauungsplanänderung, die bis zum 31. Juli im Ettenheimer Rathaus offen lag, treibt den 19 Unterzeichnern des 14 Punkte umfassenden Widerspruchschreibens die Zornesröte ins Gesicht: "In der Gesamtheit der Abwägung zwischen den Belangen der Wirtschaft einerseits und der schutzwürdigen Bebauung anderseits ist zugunsten des Gewerbes zu entscheiden". "Die Gesundheit der Menschen wird ignoriert. Das können wir nicht hinnehmen", erklärte hierzu gestern Peter Ohnemus, einer der Unterzeichner des Widerspruchs, in einem Pressegespräch, zu dem die Bürgerinitiative Gewerbe Park Ettenheim Mahlberg, vertreten durch Ohnemus, Klaus Deutschkämer, Michael Masson (alle Orschweier) und Ewald Hutzenlaub (Ettenheim) eingeladen hatte.
Hinter dem Verfahren zur Bebauungsplanänderung vermuten die Gegner nur ein Ziel: Dem Pelletsproduzenten "German Pellets" gewissermaßen den Rücken freizuhalten. Offenbar, so die Mutmaßung der Zeichner, gelinge es der Firma nicht, die in den beiden Bürgerversammlungen versprochenen Verbesserungen zu Lärmimmission (Wirkung von Lärm auf den Menschen) und Staubemission (Verunreinigung der Luft) dauerhaft umzusetzen. Als Beleg für diese Interpretation führen die BI-Vertreter beispielsweise an, dass die vom Zweckverband in der Bebauungsplannovelle geplante Anhebung des so genannten "Beurteilungspegels" für Lärm um 1 DeziBel enorm sei und faktisch einer Erhöhung um 12,2 Prozent gleichkomme. Deshalb sei es ihrer Auffassung nach falsch, wenn diese Erhöhung in der Bebauungsplanänderung als "fast nicht wahrnehmbar" hingestellt werde.
Auffällig sei aus ihrer Sicht auch, dass bei Messungen durch Manfred Goritzka, einem anerkannten Schallschutzexperten aus Leipzig — sein Gutachten war Grundlage für die Grenzwertangaben in der Bebauungsplanänderung — , die Produktion nie auf Volllast lief. Anders seien abweichende Messergebnisse von Klaus Deutschkämer, die mehrfach nachts Lärmwerte von mehr als 60 dB ausweisen, nicht zu erklären. Deutschkämer, Elektrotechnik-Ingenieur mit Spezialgebiet industrielle Messtechnik, wende zwar ein anderes Messprogramm als Goritzka an, ihm wurde aber selbst vom Leipziger Gutachter eine seriöse Messtechnik attestiert.
Nach etwa 50 Messungen — Goritzka stütze sein Gutachten auf drei Messungen im gleichen Zeitraum, so die BI — kam Deutschkämer zum Ergebnis, dass German Pellets dauerhaft die Grenzwerte — 40 Dezibel nachts und 55 Dezibel tagsüber (Richtwerte nach technischer Anleitung/TA Lärm — nicht einhalte. Bei einer Messung am 7. Juli etwa, zwei Tage nach der Bürgerversammlung in Orschweier, hatten die Messinstrumente Deutschkämers zwischen 4 und 6 Uhr in der Frühe Werte zwischen 55 und 65 Dezibel festgehalten. Deutschkämer: "Bei German Pellets funktionieren die Genehmigungsverfahren für die technischen Einrichtungen durch die Baurechtsbehörde in Ettenheim reibungslos. Was aber nicht funktioniert, ist die versprochene Lärmreduzierung" .
Deutschkämer bleibt deshalb auch skeptisch, ob der Einbau eines Absorbers im Lüftungssystem der Bandtrocknungsanlage bis Oktober auch die versprochene Wirkung zeitigt und der als Lärmbelästigung auch von German Pellets und Zweckverband erkannte 250-Hertz-Ton absorbiert wird.
Auch die Tatsache, dass in der jüngsten Vergangenheit — etwa seit vier Wochen — die Lärmbelästigung deutlich zurückgegangen ist, lässt die Betroffenen nicht ruhiger schlafen. "Wenn wir die Halden an Rohstoffen auf dem Firmengelände sehen, liegt doch der Schluss nahe, dass derzeit das Werk auf gedrosselter Produktionsstufe läuft" , erklärt Peter Ohnemus. Und Michael Masson mutmaßt: "Wenn der geänderte Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, kann sich das schnell ändern" .
Welche Folgen hat Wasserdampf aus Holztrocknung fürs Kleinklima?
Die "Widersprecher" fordern deshalb, dass sich jetzt auch der Landkreis und der Regionalverband wie auch der Naturschutz in die aktuelle Planung einschalten und das Inkraftsetzen der Bebauungsplanänderung nicht allein vom Votum der beiden Gemeinderäte in Ettenheim und Mahlberg abhängig bleibt. Überdies wird im Widerspruchsschreiben eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) eingefordert, was bisher baurechtlich sowohl von der Baurechtsbehörde in Ettenheim als auch von der Gewerbeaufsicht im Landratsamt aufgrund der Größe der Anlage als "nicht erforderlich" eingestuft wird.
Von dieser UVS versprechen sich die Gegner auch klare und neutrale Aussagen über die Staubemission und die möglichen Folgen für das Kleinklima in der Region durch die große Mengen an Wasserdampf, die durch die Holztrocknung entstehen und in die Atmosphäre abgegeben werden. Diese würden noch steigen, so die BI-Vertreter gestern, wenn einmal die Firma Streit ihre Holztrocknungsanlage betreibe und sich überdies die Pläne von Zweckverband und German Pellets realisieren lassen und ein Biomassekraftwerk auf DYN A 5 gebaut werde.

 

Widerspruch gegen Bebauungsplan eingelegt

30. Juli 2007

Die Bürgerinitiative hat rechtzeitig vor Ende der Einspruchsfrist in 20-facher Ausfertigung gegen die Änderung des Bebauungsplans "Gi Obere Lachenfeld/Rittmatten I und II" folgenden Widerspruch eingelegt:

An das
Bauamt der Stadt Ettenheim
77955 Ettenheim

Zur Kenntnis:
Herrn Landrat Klaus Brodbeck, Badstr. 20, 77652 Offenburg
Regionalverband Südlicher Oberrhein, Reichsgrafenstr. 19, 79102 Freiburg

Betreff: Offenlage – Bebauungsplan Rittmatten I und II

Hier: Widerspruch gegen die Änderung des Bebauungsplanes „Gi Obere Lachenfeld/Rittmatten I und II“

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Unterzeichner legen hiermit Widerspruch gegen die o.a. Änderung des Bebauungsplanes ein. Vorbehaltlich ergänzender Begründungen werden folgende Einwände geltend gemacht:

1. Die geplante Anhebung des "Beurteilungspegels" um 1 dB(A), wie vom Zweckverband beschlossen, ist weder sachlich noch juristisch begründet. Die Anhebung einer "Zumutbarkeitsgrenze" um 1db(A) stellt eine faktische Erhöhung des Beurteilungspegels um 12,2 Prozent dar, kann sofern nicht als "fast nicht wahrnehmbar" hingestellt werden. Wir verlangen eine wissenschaftliche Begründung dieser Behauptung.

2. Seit Produktionsaufnahme der Firma German-Pellets im Dezember 2006 wurden dauerhaft erhöhte Lärmbelästigungen von der Bevölkerung festgestellt. Diese wurden seit Mai 2007 durch eigene Messungen eines fachkundigen Bürgers bestätigt, dem auf der öffentlichen "Bürgerinformation" am 05.Juli2007 sogar attestiert wurde, dass sich seine Messungen mit denen des beauftragten Gutachters Goritzka "erstaunlich präzise" deckten. Am selben Abend wurden Überschreitungen der Lärm-Richtwerte durch die Firma German-Pellets in Anwesenheit ihres Geschäftsführers nicht geleugnet. Wir verlangen, vorliegende, unabhängige Messungen als entscheidungsrelevant mit einzubeziehen.

3. Schlafstörungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen von anwohnenden Bürgern wurden im Laufe mehrerer Monate aktenkundig festgestellt. Mehrfach wurden zur Nachtzeit Lärmwerte von über 60 dB(A) gemessen, also weit über geltende und einzuhaltende Richtwerte hinaus, bis in die jüngste Zeit. Wird dies bestritten?

4. Ein von Firmen praktizierter 24- Stunden- Betrieb bei 365 Tagen im Jahr ergibt selbst bei künftiger, versprochener Einhaltung der Lärm-Richtwerte eine unzumutbare Belastung der anwohnenden Bevölkerung. Durch künftig zu erwartenden, noch höheren Lärmpegeln ist insbesondere Nachts keine Ruhepause zu erwarten. Ist dies gewollt?

5. Dass diese schon jetzt unerträglich belästigende Lärmsituation durch künftige Lärmschutzinvestitionen der Deutschen Bahn im Zuge ihrer geplanten Ausbaumaßnahmen an Rheintal- Gleisen gelindert werden könnte, ist eine unbelegte, rein spekulative Schutzbehauptung. Gibt es dafür eine fundierte, unabhängige, wissenschaftlich belegte Erklärung?

6. Die Aussage des zweiten Goritzka- Gutachtens, dass der von Bürgern als besonders störend wahrgenommene 250-Hertz- Ton ("Brummton"), seit Februar 2007 festgestellt, nun nicht mehr existent sei, ist falsch. Eigene Messungen haben ergeben, dass dies nicht stimmt. In der Bürgerinformation am 5. Juli wurde dieses "tonale Problem" durch Gutachter und Firmenleitung bestätigt. Deshalb sind Kontrollmessungen erforderlich, die von unabhängigen Gutachtern vorgenommen werden müssen, insbesondere unangekündigt. Dies fordern wir.

7. Der Zweckverband hat beschlossen, dass "in der Gesamtheit der Abwägung zwischen den Belangen der Wirtschaft einerseits und der schutzwürdigen Bebauung andererseits zugunsten des Gewerbes" zu entscheiden sei. Das heißt: Die Interessen der Bevölkerung sollen denen eines oder mehrerer Industriebetriebe untergeordnet werden. Diese Abwägung ist fehlerhaft. Damit werden die schutzwürdigen Belange der Bevölkerung ignoriert. Deshalb fordern wir, diese willkürliche Abwägung zu überprüfen und detailliert zu begründen.

8. Aufgrund der Bedeutung und Dimension der weiteren Bauvorhaben im Gewerbepark "DYN A 5" erscheint es uns zwingend geboten, überörtliche Institutionen, insbesondere Behörden des Landkreises und der Region, in die aktuelle Planung aktiv einzubeziehen.

9. Nach Willen des Zweckverbandes soll "von der Unterrichtung und Erörterung der Bürger im Rahmen der frühzeitigen Einbeziehung der Bürger abgesehen werden." Begründet wird dies damit, dass sich "die Änderung auf das Planungsgebiet nur unwesentlich auswirkt". Dies ist nicht nachvollziehbar. Wir bestreiten die "unwesentliche Auswirkung".

10. Für die Planänderungen wurden Gutachten zugrunde gelegt, die vom Ingenieurbüro Goritzka erstellt wurden. Dieses ist bislang sowohl für die Firma German-Pellets als auch für den Zweckverband bezahlt tätig gewesen. Daraus ergibt sich ein Interessenskonflikt. Die Unabhängigkeit des Gutachters ist deshalb nicht gegeben.

11. Die Staubemission der bereits vorhandenen Bandtrocknungsanlagen liegt lt. Gutachten bei 2 mg/m³ Abluft. Diese Werte summieren sich pro Lüfter auf 5,5 Tonnen Staubaustrag pro Jahr. Zum Zeitpunkt der Messung waren die Bandtrockner lt. Gutachten gereinigt und frei von Staubablagerungen. Auch wurden offenbar keine Späne und Stäube verarbeitet, Werden die Anlagen nicht regelmäßig gereinigt, sind lt. Gutachten zentimeterdicke Staubablagerungen in den Abluftkanälen die Folge, verbunden mit erhöhtem Staubaustrag. Die Gutachtermessungen sind deshalb nur als Mindestwerte zu interpretieren. Welche Durchschnittswerte sind im regulären Betrieb zu erwarten?

12. Die Gutachten schließen "erhebliche" Gesundheitsgefährdungen durch Stäube aus. Gleichwohl wird der Anteil an Stäuben der Partikelgrößenklasse 1 (< 2,5 µm) mit 57 – 60 % angegeben. Die Vorbelastung plus die durch die Gutachten errechnete Zusatzbelastung liegt nur durch die hohe Zahl von zulässigen Überschreitungen innerhalb der Grenzwerte. Unseres Wissens stellen solche Stäube ohne Unbedenklichkeitsschwelle grundsätzlich Gesundheitsgefährdungen dar. Es darf nicht sein, dass Gesundheitsgefährdungen aus Wirtschaftlichkeitsgründen hingenommen werden müssen, nur weil diese Gefährdungen noch nicht als "erheblich" definiert werden. Wir fordern deshalb zum Schutz der Bevölkerung alle erforderlichen Maßnahmen nach dem Stand der Technik zur Reduzierung der Belastung.

13. Die Trocknungsanlagen entziehen dem Material Wasser bis zu einer Restfeuchtigkeit von ca. 10 bis 12%. Allein der im Gutachten pro Trockner genannte Ausstoß von 3 Tonnen Wasserdampf pro Stunde ergibt einen Ausstoß von 72 Tonnen Wasserdampf pro Tag und Trockner. Beim derzeitigen Planungsstand von 4 Trocknern werden täglich lokal begrenzt zusätzlich 288 Tonnen Wasser in die Atmosphäre abgegeben (weitere Industrieansiedlungen noch nicht eingerechnet). Auf Grund der im Rheintal vorherrschenden hohen Luftfeuchtigkeit und häufigen Inversionswetterlagen halten wir diese zusätzliche Belastung für Flora und Fauna äußerst problematisch und fordern deshalb einen Wasserdampfabscheider (Kondensabscheider).

14. Die Lagerung zerkleinerter Holzmaterialien (Sägemehl, Späne und Rindenmulch) in offener Lage ist durch deren Verrottungsprozess derzeit Ursache für starke Geruchsbelästigungen. Eine solche Lagerung kann unseres Erachtens nicht Inhalt einer Genehmigung sein, da schon aus Rücksicht zu Betrieben (deren Bestandsschutz hierdurch gefährdet ist) und Wohnungen in unmittelbarer Umgebung, ein entsprechender Abstand eingehalten werden müsste. Nach unserer Auffassung besteht eine besondere Schutzpflicht, da durch die hier vorherrschende Windrichtungsverteilung (Südwestwind) überwiegend die Wohnbevölkerung von Orschweier sowie ein Rasthof und weitere Gastronomiebetriebe, Lebensmittelverkaufsgeschäfte und Büros betroffen sind. Wir fordern im Rahmen der Abstandsregelung bzw. besonderen Schutzpflicht eine Einhausung oder Abdeckung des Materials.

Aufgrund der Auswirkungen für die Umwelt, fordern wir eine Stellungnahme vom Bund Naturschutz (NABU; BUND) sowie eine Umweltverträglichkeitsstudie.

Name, Anschrift, Unterschrift

 

Errichtung und Betrieb eines Biomassen-
kraftwerks
Eine mutige Entscheidung

Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg, Jahresbericht 2002/2003
Tätigkeitsberichte Immissionsschutz, Chemikaliengesetz, Abfallrecht, Gewässerschutz, Seite 40f

[..] In mehreren Gesprächen wurden die Firma und das Landratsamt darauf hingewiesen, dass das von Recyclingbetrieben stammende Altholz nicht exakt (sortenrein) getrennt werden kann und dass deshalb das unfreiwillige Verbrennen von Hölzern der Kategorie A III nicht ausgeschlossen werden kann [..]

[..] Auch das Regierungspräsidium Stuttgart wies darauf hin, dass die Vorgabe der Kommune, nur unbelastetes Holz zu verbrennen, vom Betreiber auf Dauer nicht durchgehalten werden kann. Nur eine Verbrennungsanlage, die sich an den Vorgaben der 17. BImSchV orientiert, kann dem Antragsteller die notwendige Planungs- und Betriebssicherheit geben.

Etwa 3,5 Millionen t/a Altholz sind zu wirtschaftlichen Preisen energetisch verwertbar. Die 55 geplanten Projekte in Deutschland benötigen aber 5,25 Millionen t/a Altholz. Hieraus wird der eklatante Brennstoffmangel deutlich. Es ist daher davon auszugehen, dass etwa nur die Hälfte der geplanten Vorhaben realisiert werden kann.

Trotz dieser Bedenken wurde das Biomassekraftwerk wie beantragt [..] genehmigt. Das Planungs- und Betriebsrisiko trägt ausschließlich der Antragsteller [..]

>> zum Artikel (PDF, ca. 261 KB)

 

Pressemitteilung der BI-GP zur Planung
des Biomassekraftwerkes

28. Juli 2007

Der Zweckverband DYN A5 arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, noch dieses Jahr ein sogenanntes "Biomassekraftwerk" errichten zu lassen. Dieses Vorhaben lehnt die BI-GP kategorisch ab.

In diesem Kraftwerk könnten jährlich bis zu 130.000 Tonnen Holzabfälle verbrannt werden, wie es schon jetzt beispielsweise im schwäbischen Herbrechtingen geschieht. Mit der entstehenden Wärme soll Strom erzeugt werden, der in das öffentliche Netz eingespeist wird. Die geplante Verbrennungsanlage wird bewusst auf eine Leistung von knapp unter 50 MW angelegt. Damit sollen sowohl eine Umweltverträglichkeitsprüfung als auch eine Bürgerbeteiligung vermieden werden.

Unter dem Deckmantel "Biomasse" verbergen sich neben unbehandeltem Holz der Klasse A1 auch behandelte schadstoffbelastete Hölzer der Kategorie A2. Dabei handelt es sich um verleimtes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Material. Diese als gesundheitlich unbedenklich zu deklarieren, ist falsch. Nicht erwähnt wird, dass zusätzlich bis zu 2% (entspricht 2600 Tonnen pro Jahr) besonders belastete Althölzer mit verbrannt werden dürfen. Das sind z.B. mit giftigen Holzschutzmitteln verseuchte Bahnschwellen und Leitungsmasten. Weil jedoch das Verbrennungsmaterial schon zerkleinert angeliefert wird, ist der Anteil hoch belasteter Hölzer unkontrollierbar, wie selbst Deutschlands führende Fachzeitschrift für Unternehmer und Führungskräfte der Forst- und Holzwirtschaft feststellt. Hier wurde bereits 2001 zugegeben, dass "die Vorgaben der Altholzverordnung sich in der Praxis nicht durchführen lassen", und der Aufwand für Probeentnahmen "fast nicht realisierbar" sei.

Bereits eine Verbrennung von Hölzern der Kategorie A2 setzt neben Stäuben auch Quecksilber, Nickel sowie andere Schwermetalle und Gifte frei, vor allem hochgefährliche Dioxine und Furane. Die Hauptschadstoffe Schwefel- und Stickoxide verursachen akute Atembeschwerden sowie Reizung der Atemwege.

Durch vorgeschriebene Schornsteinhöhen werden die Schadstoffe mehre Kilometer weit auch in Umlandgemeinden ausgetragen. Neben den gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind durch die Bodenverseuchung auch negative Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft (insbesondere Gemüse-, Wein- und Obstbau) zu erwarten.

Unsere Region ist jetzt schon über die Maßen belastet. Wir sehen die Ansiedlung des Biomassekraftwerkes nicht als Segen sondern als Fluch für unsere Region an. Deshalb schließt die BI das Herbeiführen eines Bürgerentscheides gegen den Bau des Kraftwerkes nicht aus.

 

"Bürgerinitiative Gewerbepark" nimmt Stellung zu Mitteilung der Bürgermeister

23. Juli 2007

In einer Mitteilung der Bürgermeister Metz und Benz werden Ansichten und Ängste von Bürgern als "Gerüchte, Unterstellungen und falsche Behauptungen" abgetan. Seit Monaten betreiben die Bürgermeister für German-Pellets eine gebetsmühlenartige Werbekampagne, deren ständige Lektüre die Belastung der Bürger nicht erträglicher macht.
Hier scheinen eher einseitig die Interessen des Zweckverbandes als die der Bürgerschaft wahrgenommen zu werden. Unglücklich ihre Entscheidung, auf dieselben Gutachter zurückzugreifen, die auch bereits für German-Pellets tätig waren. Zu dem halten wir die gewählten Zeitpunkte der Messungen nicht für repräsentativ. Die Gutachten scheinen uns nicht neutral und auch in den Sachaussagen nicht immer zutreffend:

Zum Beispiel wurden die Staubmessungen ausgerechnet in der Zeit des stärksten Pollenfluges durchgeführt. Die festgestellten 2 Prozent Holzpartikel sind aus diesem Grund nicht verwunderlich. Zahlreiche betroffene Bürger bestätigen seit Ansiedlung von German-Pellets einen erheblichen Holzpartikel- Niederschlag auf Fenstern, Tischen, Fahrzeugen, Gartenteichen und sogar auf Möbel im Haus. Selbst die Bürgermeister geben zu, dass es "Holzstaub-Austrag" gibt. Die von den Experten genannten Werte ergeben aufs Jahr hochgerechnet bis zu 220 Tonnen zulässigen "Austrag".

Seit Monaten, insbesondere in den letzten Wochen ist die Geruchsbelästigung nicht nur für Orschweier zeitweise unerträglich. Selbst am Westrand von Ettenheim wird dieser Geruch wahrgenommen. Zahlreiche Autofahrer berichten, dass sie mittlerweile vor dem Pelletswerk ihre Lüftung schließen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Staubgutachter den Gestank "Nachbars Komposthaufen" zuordnen wollte. Alternativen zur Holzlagerung haben weder Gutachter noch German-Pellets genannt - andere Pelletswerke zeigen, dass es auch besser geht.

Bei der Bürgerversammlung am 8. März wurde bekannt gegeben, dass der Bandtrockner Ursache für Staub und Lärm ist. Dieser Zusammenhang wurde bereits Anfang Januar von betroffenen Bürgern erkannt und dem Bürgermeisteramt gemeldet.

Die damals versprochenen Lärmschutzmaßnahmen wurden bis heute nicht realisiert. Stattdessen wurde von der Gewerbeaufsicht lediglich das Schließen der Fenster beim German-Pellets-Werk verlangt. Bei der Bürgerversammlung am 5. Juli wurde dem Vertreter des Landratsamtes die Frage gestellt, warum die Fenster dennoch offen stehen. Daraufhin antwortete der Lärmgutachter für das Gewerbeaufsichtsamt, dass er diese Maßnahme nicht für erforderlich hält. Jetzt soll ein Schalldämpfer (Lieferzeit 4 Monate) das Problem lösen...?!

Durch unsere Frequenzanalyse sind wir sehr gut in der Lage, die einzelnen Lärmquellen voneinander zu unterscheiden. Am 7. Juli haben wir zwischen 4 und 6 Uhr ohne Bahnlärm im Wohngebiet über 60 dB(A) gemessen, die wir ursächlich German-Pellets zuordnen. Weitere Informationen und Messergebnisse können auf unserer Homepage (www.bi-gp.de) nachgelesen werden. Den Unterschied zwischen diesen extremen Werten und den Gutachtermessungen können wir nicht nur auf die Windrichtung zurückführen.

Wir befürchten, dass das bereits eingeplante Biomassekraftwerk (BMKW) gebaut wird. Die Bezeichnung Bio täuscht darüber hinweg, dass ein erheblicher Prozentsatz an verleimten, beschichteten, lackierten oder anderweitig behandelten "Alt"hölzern verbrannt werden dürfen. Mit Ausnahme von natur belassenem Holz handelt es sich hier um Abfall, der Schadstoffgehalte erreichen kann, die im Bereich von Restmüll liegen. Solche Anlagen erhalten deshalb Kamine mit bis zu 70 Metern Höhe und verbreiten ihre Schadstoffe (u.a. Quecksilber, Schwefeldioxid, Schwermetalle) im Umkreis von mehreren Kilometern.

Für uns ist es unverständlich, dass einer bereits durch A5 und Rheintalbahn derart vorbelasteten Region, dieses Industriegebiet zugemutet wird und wegen eben dieser Vorbelastung diese Wohngebiete kurzerhand auch noch als "weniger schutzwürdig" eingestuft werden.

Von den verantwortlichen Bürgermeistern darf doch endlich einmal eine sachbezogene, den Dingen auf den Grund gehende Diskussion und Lösung nicht nur für die Investoren sondern auch für ihre Bürger erwartet werden, auch wenn dadurch selbst gesteckte Erwartungen und Zielvorstellungen eventuell revidiert werden müssten.

 

Nachtrag zur Bürgerinformation vom 5. Juli

10. Juli 2007

Lärm, Staub und Geruch - dies sind die Themen, die Anwohner des Industriegebiets DYN A5 in Orschweier und der näheren Umgebung zur Zeit heftig diskutieren. In der Bürgerinformation am 5. Juli in der Orschweierer Turnhalle hatten Fachleute und Firmenvertreter der Bevölkerung die Gutachten präsentiert. So richtig gut fühlten sich offensichtlich weder die Verantwortlichen noch die Bürger. Zu viele Fragen sind offen geblieben.

Gebläse werden mit Schalldämpfern ausgerüstet

Schalldämpfer sollen die Bandtrockner leise(r) machen, indem sie die 125 Hz (und die Oberwelle mit 250 Hz) so weit dämpfen, dass diese im allgemeinen Lärm nicht mehr wahrnehmbar sind, womit die "Tonhaltigkeit" des Lärms beseitigt wäre. Ein Vorteil für die Verursacher, da "tonhaltiger" Lärm durch verschiedene Vorschriften "bestraft" wird. Die Lieferzeit beträgt ca. 4 Monate. Eine lange Zeit, jedoch sicher nicht unüblich für solch eine sinnvolle Maßnahme.

Die Gutachten dokumentierten zum wiederholten Mal sehr niedrige Lärmpegel, die nach unserer Auffassung nicht repräsentativ sind. Die seltsamen Umstände der ersten Messung sind uns noch gut im Gedächtnis, diesmal hat ein Blitz ins Pellets-Werk eingeschlagen. Die Staubgutachterin spricht von überwiegenden Südwest-Windverhältnissen, am 20. Juni soll jedoch "Mitwind" (also aus Nordost) den Lärm um gut 15 dB oder mehr reduziert haben. Siehe auch unsere eigenen Messungen zu diesem Zeitpunkt.

Unsere letzte Messung vom 7. Juli zeigt, dass das Werk bei entsprechenden Witterungsverhältnissen mit ganz anderen Werten beeindrucken kann: Mitten in der Nacht bis zu 60 dB(A) am "Kontrollpunkt KPDK"!

  • Woher kommen plötzlich die neu gemessenen Frequenzen?
  • Wieviel "bringen" diese teuren Schalldämpfer wirklich?
  • Werden die neuen Bandtrockner auch mit Schalldämpfern ausgerüstet?
  • Wenn die Wetterverhältnisse solch enorme Unterschiede für die Anwohner bedeuten, warum werden dann nicht mehr Messungen durchgeführt, um den Einfluss der verschiedenen Witterungsbedingungen ausreichend zu dokumentieren? Künftig werden wohl nur die gemessenen Werte erwähnt werden, über die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt der Messung wird man vermutlich nichts mehr hören.
  • Wenn sich nach später herausstellen sollte, dass die Grenzwerte doch nicht so "ganz" eingehalten werden, so kann nach TA-Lärm die Genehmigung wegen einer Überschreitung der Immissionsrichtwerte nicht versagt werden, "wenn infolge ständig vorherrschender Fremdgeräusche keine zusätzlichen schädlichen Umwelteinwirkungen durch die Anlage zu befürchten sind [..]".

 

Staubemission aus dem Bandtrockner liegt bei nur 2 Milligramm
(pro Kubikmeter Luft)

Laut Gutachten liegt German Pellets beim Bandtrockner weit unter dem Grenzwert von 20 mg pro Kubikmeter Luft aus dem Bandtrockner. Das selbst gesteckte Ziel von 10 mg wurde sogar noch weit verbessert und jetzt sind es also nur noch 2 mg Staub. Pro Kubikmeter Luft und je Bandtrockner. Das ist sehr wenig, wie Herr Ibach vom Landratsamt bestätigt.

Dies ist sicher ein sehr guter Wert für solch eine Anlage. Die Anwohner machen sich aber dennoch sorgen, weil

  • nach Werksangaben jedes Gebläse pro Stunde 315.000 Kubikmeter Abluft aus dem Trockner bläst,
  • sich diese 2 mg pro Lüfter im Jahr auf 5,5 Tonnen Staubemission aufsummieren,
  • momentan die Trockner 3 und 4 gebaut werden und es bei 4 Gebläsen demnächst bereits über 22 Tonnen, mit der Option auf eine dritte Produktionslinie 33 Tonnen Staub pro Jahr sein werden,
  • im schlimmsten Fall die Anlage nach einigen Jahren unter "widrigen Umständen" gerade noch die Grenzwerte einhält (20 mg statt 2 mg), und es dann sogar 330 Tonnen Staub wären, die jedes Jahr mit behördlicher Genehmigung auf die Umgebung niederrieseln,
  • hierbei noch keine Heizanlage berücksichtigt ist, da hier ja "nur Wasserdampf" austritt,
  • die Firma Streit ebenfalls Trocknungsanlagen plant, die sicher auch nicht ohne Staubemissionen arbeiten,
  • und sobald ein Investor gefunden ist, ein Heizkraftwerk mit 49 Megawatt Heizleistung gebaut werden soll, in dem aus Renditegründen auch billiges Altholz Kategorie I und II mitverfeuert werden darf.

Fazit: Hier hört der Spaß selbst für die auf, die bisher weder durch Lärm noch durch Gestank belästigt wurden. Hier drohen Gesundheitsgefährdungen im Umkreis von mehreren Kilometern!

 

Keine konkreten Pläne in Bezug auf Biomasseheizkraftwerk (BMHKW)

Es gibt laut Herrn Leibold keine konkreten Pläne in Bezug auf ein BMHKW. Das kann man gerne glauben. Oder man erinnert sich daran, dass

  • bereits im Januar seitens Herrn Leibold davon geredet wurde, Strom aus Biomasse zu erzeugen,
  • das Staubgutachten, vorgestellt am 5. Juli 2007, bereits ein BMHKW berücksichtigt hat,
  • in Herbrechtingen, einem weiteren Standort von German Pellets, seit 2004 ein BMHKW "grünen Strom" erzeugt,
  • man mit bis zu 50% "Gebraucht"holz Klasse AI/AII viel Geld beim Heizen sparen kann,
  • sich das Unternehmen laut Herrn Griego für Ettenheim als Standort entschieden hat, "weil die Gemeinde extrem aufgeschlossen war und Ängste vor Feinstaub sich mit der Darstellung einer sauberen Produktion ausräumen ließen".

Kurz: Sobald ein Investor gefunden wurde, kann es losgehen. Pläne und Gutachten liegen bereits in der Schublade!

 

Gestank kann man nicht messen

Laut Herrn Ibach vom Landratsamt kann man "Geruch" nur mit geeigneten Probanten "erschnüffeln". Messungen sind hier technisch nicht möglich. Diese Testpersonen müssen ein durchschnittliches Geruchsempfinden aufweisen und quasi vom Landratsamt "qualifiziert" sein. Der normale Anwohner ist natürlich nicht neutral genug.

So weit, so gut. Jetzt gilt es lediglich noch nachzuweisen, dass es weniger als 8 Prozent der Stunden eines Jahres stinkt, dann muss die Bevölkerung dies erdulden. Wobei es wohl zulässig ist, Stichprobenkontrollen auf ein Jahr hochzurechnen. Auch dafür gibt es natürlich eine Vorschrift: Die Geruchsimmissions-Richtlinie - GIRL: Feststellung und Beurteilung von Geruchsimmissionen (PDF, ca. 1,3 MB).

  • Was atmen wir außer "gesunder Waldluft" noch mit ein?
  • Wer veranlasst eine solche Untersuchung?
  • Werden die Schnüffel-Zeitpunkte wie die Lärm-Messungen vorher angekündigt?
  • Wie kann man verschiedene Verursacher (z.B. Komposthaufen) voneinander unterscheiden?

 

Lärmeinschätzung

Offener Brief von Klaus Deutschkämer an Bürgermeister Dietmar Benz vom 12. Juni 2007

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Benz,

am 11. Juni 2007 rief mich eine Mitarbeiterin Ihres Sekretariats an und bat mich in Ihrem Auftrag um eine Stellungnahme zu meiner aktuellen Einschätzung bezüglich der Lärm-Immissionen durch German Pellets. Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich meine Auffassung schriftlich zum Ausdruck bringen:

Zunächst freue mich, dass im Nachgang zum Pressebericht der BZ vom 8. Juni nun tatsächlich von der Stadt Mahlberg eine vom Lärm betroffene Person befragt wird. Jedenfalls wurde in meinem Umfeld bisher niemand zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Nach meinen Beobachtungen und Messungen hat sich das Lärmprofil tatsächlich verändert. Anstelle des ursprünglichen, quälenden Einzeltons von ca. 250 Hz beobachteten wir in letzter Zeit ein breiteres Spektrum verschiedener Töne zwischen etwa 60 und 350 Hz:

Die nachfolgend abgebildeten Messungen wurden bei einer Orschweierer Familie durchgeführt. Das obere Diagramm zeigt den Verlauf des Schalldrucks im Zeitraum Mittwoch, 30. Mai 2007 22:45 Uhr bis Donnerstag, 31. Mai 02:00 Uhr. Die Messung wurde frequenzbewertet, die Angabe erfolgt also in dB(A). Die "Spitzen" bis 65 dB(A) stammen von durchfahrenden Zügen.

Darunter sind die Frequenzanteile (Spektrum) um 01:00 Uhr sowohl mit A-Bewertung als auch mit C-Bewertung dargestellt. Der aktuelle Pegel betrug zu dem Zeitpunkt ca. 50 dB(A) bzw. 58 dB(C). Das Spektrum zeigt eindeutig KEINEN durchfahrenden Zug! Das Maximum liegt bei 238 Hz.

Der Anstieg des Schalldruckpegels (im Diagramm kurz vor Mitternacht bis kurz nach 1 Uhr) ist auch auf anderen Messdiagrammen feststellbar. Der Zeitpunkt und die Dauer sowie die spektrale Zusammensetzung des Lärms variieren. Wir können auch Zeiten feststellen, die "praktisch lärmfrei" sind, so zum Beispiel am 26. Mai 2007 zwischen 3:50 und 4:10 Uhr mit unter 30 dB(A).

Unsere Messgeräte sind zurzeit an verschiedenen Messpunkten im Einsatz. Die Auswertungen werden demnächst veröffentlicht.

Die Messungen werden auch weiterhin durchgeführt, weil unser Vertrauen in die Verantwortlichen nachhaltig gestört ist. Ausschlaggebend dafür sind die vom Zweckverband offensichtlich im herzlichen Einvernehmen mit der Firma German Pellets bereits des Öfteren abgegebenen, beschwichtigenden Erklärungen, in denen zugegeben wurde, dass die vorschnell propagierten Abhilfemaßnahmen nicht in dem erhofften Umfang gegriffen haben.

Als Beispiele zitiere ich einige Artikel aus der Presse:

Aus der Homepage der Stadt Ettenheim:
28. März 2007
"... konnte die gute Nachricht in Anwesenheit von Geschäftsführer Peter H. Leibold, Projektmanager Christian Bünger und Werkleiter Timo Wess einer großen Zahl von Medienvertretern sowie den Bürgermeistern Dietmar Benz und Bruno Metz bekannt geben: Seit 2 Wochen ist die Lärmquelle im Trocknerbereich beseitigt."

19. April 2007
"Betont wird, dass insbesondere beim Lärm deutlichere Verbesserungen eingetreten sind, die Situation aber noch nicht ganz zufrieden stellend ist."

11. Juni 2007
"Er [Metz] deutete gleichwohl an, dass sowohl Zweckverband als auch Unternehmen an technischen Lösungen arbeiteten, die, Grenzwerte hin oder her, eine hörbare Verbesserung zum Ziel haben."

BZ vom 8. Juni 2007
"Die Stadt Mahlberg frage immer wieder bei den von Lärm betroffenen Personen nach. Benz: "Bei der letzten Umfrage wurde deutlich: Die Situation hat sich verbessert, das muss man einfach mal feststellen — trotz der Meinung einiger." Die Situation sei nun verträglich, meinte Benz — sie werde sich aber nicht für jeden einzelnen zufrieden stellend lösen lassen.
Es habe eine Zeitlang gedauert, nachzuweisen, dass das Werk - bis auf einen Störfall mit Staub am Anfang, der sich nicht wiederholt habe - immer innerhalb der Grenzwerte gelegen habe, sagte Ingenieur Christian Bünger."

Im Übrigen bestehen weiterhin auch Probleme mit Staub und Geruch. So war ich zum Beispiel am 9. Juni nach der Lektüre des obigen Artikels beim Autohof Bauer, wo mir Herr Bauer ein eindeutig mit Holzmehl frisch verstaubtes Fahrzeug zeigte.

Ich bedaure sehr, dass ich Ihre Einschätzung der derzeitigen Belastung - wie übrigens zahlreiche andere Mitbürger auch - nicht teilen kann.

Gerade in Hinblick auf die angekündigten und Ihnen bestens bekannten Erweiterungsvorhaben im Gewerbepark (zweite und dritte Fertigungsstraße, Rundholz"bearbeitungs"anlage, Sägewerk Streit, Biomasse-Heizkraftwerk, ... ?) würde mich interessieren, wie Sie die ZUKÜNFTIGE Entwicklung für Orschweier einschätzen.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich dieses Schreiben auf der Homepage der Bürgerinitiative Gewerbepark Ettenheim/Mahlberg (BI-GP) der Bevölkerung zugänglich machen werde.

Mit freundlichen Grüßen
K. Deutschkämer

 

 

 

Kalb mutiert zur Kröte

Leserbrief von Rolf Baum (erschienen in der BZ vom 11. Juni 2007)

Zum Artikel "Unnötige Verzögerung — Freie Liste Ettenheim über DYN A5"
vom 24.05.07 in der Badischen Zeitung.

Endlich wagen sich Ettenheimer Stadträte aus der Anonymität der nichtöffentlichen Sitzungen heraus. Dennoch bin ich enttäuscht, dass sich gerade die Freie Liste Ettenheim derart äußert. Ich war bisher der Meinung, dass die Freie Liste Ettenheim ein besonderes Gespür für die Probleme der Bevölkerung hat. Die berechtigten Beschwerden der Orschweierer Bevölkerung (mittlerweile auch Teilen aus der Ettenheimer Bevölkerung) als „unnötige Verzögerungen“ abzutun, ist schon eine Frechheit. Selbstverständlich reagiert der Mensch emotional, wenn ihm Nacht für Nacht wegen „Brummtönen“ der Schlaf geraubt wird.

Nach diesen Äußerungen wird immer klarer, warum ein Teil der Mahlberger Gemeinderäte und auch ich ein Mahlberger Vetorecht bei Gewerbeansiedlungen wollten. Wo ist die Ettenheimer Betroffenheit, wenn Orschweierer Bürger Lärm, Staub und Gestank ertragen müssen?

In den zurückliegenden Berichten wurde aufgezeigt, wie weit sich German Pellets noch vergrößern will. Die Kernanlage (Heizwerk, Bandtrockner, Silos) wird im Moment verdoppelt. Weitere 10 Tanks (bis zu 35 Meter Durchmesser) sind als Lagerhallen in der Diskussion. Wo bleiben hier die idyllischen Landschaften“ und die „attraktiven Wohngebiete rund um die historischen Stadtkerne“, für die auf der Homepage von der DYN A5 geworben wird. Grenzwerte (Normen) sind nicht das Maß aller Dinge. Grenzwerte sind nicht gemacht worden, um sie gerade noch zu unterschreiten. Moderne Anlagen sollten nach dem Stand der Technik und nicht nach Grenzwerten gebaut werden. Wo bleiben die Ergebnisse der neu gefertigten Lärm- und Staubgutachten?

Man wird das Gefühl nicht los, dass das vermeintliche goldene Kalb zur schwer zu schluckenden Kröte mutiert ist. Die Gemeinderäte und Bürgermeister können schon lange nicht mehr mit der überrollenden Dynamik von German Pellets mithalten. Dass jetzt auch noch die Kritiker mit Klageandrohungen wegen Verleumdung eingeschüchtert werden sollen, ist nur ein Beispiel, wie hier diskutiert wird.

Rolf Baum
Stadtrat in Mahlberg

 

 

 

 

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